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CeBIT: E-Plus startet mit I-Mode Versuchsballon

15.03.2002

HANNOVER (COMPUTERWOCHE) - E-Plus setzt Zeichen. Mit der Einführung des proprietären Dienstes "I-Mode" zur CeBIT wagen die Düsseldorfer als erster deutscher Netzbetreiber den Schritt ins multimediale Datenzeitalter. Für den Markt hat das Projekt große Signalwirkung. Die Blicke der deutschen Mobilfunker und Service-Provider werden in den nächsten Monaten stark auf E-Plus gerichtet sein. Mit dem offiziellen Startschuss für I-Mode konnte der Düsseldorfer Netzbetreiber zwar eines der CeBIT-Highlights für sich reklamieren, geht aber auch ein hohes Risiko ein. Die Übertragung der japanischen Erfolgsstory I-Mode auf den deutschen Markt ist nämlich keineswegs sicher. Die Akzeptanz des neuen E-Plus-Angebots wird deshalb mit Spannung erwartet, weil sie erste Rückschlüsse auf das künftige Kundenverhalten gegenüber GPRS und UMTS zulässt.

I-Mode beruht auf der Internet-Sprache i-HTML und ist damit eine Vorstufe des Multimedia-Standards WAP 2.0. Damit werden in Deutschland erstmals bunte und animierte Web-Inhalte mit polyphonen Tönen für den mobilen Konsum vermarket. Das Risiko für E-Plus besteht jedoch darin, dass die Nutzung von I-Mode hierzulande auf das E-Plus-Netz beschränkt ist und zudem eigene Handys erforderlich sind. Mit dem Handset "NEC n21i" bietet der Provider im Moment nur ein I-Mode-fähiges Endgerät an, das 249 Euro kostet und internen Informationen zufolge von E-Plus bereits mit 250 Euro subventioniert wird. Mit Toshibas "TS21i" soll in der zweiten Jahreshälfte ein weiteres Modell für voraussichtlich 149 Euro folgen. Ob die überwiegend junge Zielgruppe jedoch bereit ist, in teure Handys zu investieren, muss sich erst noch herausstellen.

Hinzu kommt, dass der Dienst im Land der aufgehenden Sonne vom Quasi-Monopolisten NTT Docomo etabliert wurde, der eine weit größere Marktmacht als E-Plus ausübt und aus einem gewaltigen Kundenreservoir schöpft. In Japan nutzen derzeit rund 31 Millionen Konsumenten den I-Mode-Dienst, E-Plus weist hingegen insgesamt nur sieben Millionen Teilnehmer aus. Wie viele davon zusätzlich auf I-Mode umsatteln, ist ungewiss.

Uwe Bergheim, der CEO von E-Plus, hat sich zum Ziel gesetzt, binnen eines Jahres 400.000 bis 600.000 Nutzer für das multimediale Datenangebot zu begeistern. Zum Start konnten die Düsseldorfer 60 Content-Anbieter mit 500 Websites für ihren Dienst gewinnen, darunter die Deutsche Bahn, Lufthansa, Foto Quelle, Otto, Fleurop, Sbroker und Jamba. Mit weiteren 250 Interessenten, so Bergheim, stehe man in Verhandlung. Bis Jahresende soll die Zahl der festen Partner auf 120 erhöht werden.

Die Inhalteanbieter erhalten von E-Plus 84 Prozent der Content-Gebühren, 14 Prozent plus die Transferkosten streicht der Netzbetreiber für das Billing und Inkasso ein. Damit kommt in Deutschland erstmals ein Geschäftsmodell zum Tragen, das für die Zukunft ebenfalls wegweisend ist. Bisher waren Carrier nämlich kaum bereit, Content-Anbieter am Umsatz zu beteiligen.

Die Konkurrenz gibt sich währenddessen gegenüber dem neuen Angebot von E-Plus betont gelassen. "Es ist in unser aller Interesse, dass I-Mode ein Erfolg wird", erklärte der Vorstandsvorsitzende der T-Mobile International AG, Kai-Uwe Ricke, auf der CeBIT. Und die Service-Provider Mobilcom und Debitel denken unterdessen bereits laut darüber nach, I-Mode zu vermarkten.(pg)