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CeBIT: Barmer trägt Gesundheit zu Markte

14.03.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Barmer Ersatzkasse hofft, ihre Beschaffungsprozesse künftig um 20 bis 30 Prozent billiger abwickeln zu können. Mittel zum Zweck ist ein von T-Systems betriebener E-Marketplace, den der gesetzliche Krankenversicherer (GKV) mittelfristig zu einem offenen "Gesundheitsmarktplatz" ausbauen will.

"Auf lange Sicht verfolgen wir das Ziel, die gesamte GKV-Landschaft zu verändern - in Richtung auf eine gemeinsame Plattform", offenbarte Johannes Vöcking, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer. Schon seit Jahren arbeitet die Ersatzkasse gemeinsam mit dem internen IT-Dienstleister des Konkurrenten AOK und dem Softwareanbieter SAP an einer gemeinsamen Standardsoftware, die auch als geschäftskritisch eingeschätzte Komponenten wie das Kundenbeziehungs-Management ein-schließt. "Letztlich ist auch ein System für das Customer-Relationship-Management nur ein Werkzeug", erläutert Vöcking.

Warum sollten also die beiden Kranken-versicherer - und eventuell weitere Mitbewerber - nicht auch einen gemeinsamen Marktplatz für gesundheitsbezogene Leistungen nutzen? Eine solche Beschaffungsplattform mit standardisierten Leistungskatalogen könnte den GKV-Anbietern die Kontrolle darüber verschaffen, welcher Anbieter mit welchen Leis-tungen für welchen Versicherten beauftragt wird. Derzeit bleibt es dem jeweiligen Arzt oder Krankenhaus überlassen, beispielsweise einen Rollstuhl für einen gehbehinderten Patienten auszuwählen.

Das ist allerdings noch Zukunftsmusik. Im ersten Schritt erledigt der Versicherungsträger voraussichtlich ab Mitte des laufenden Jahres seine Versorgung mit “C-Artikeln”, also Büromaterialien, Einrichtungsgegenständen und Druckerzeugnissen, über den elektronischen Marktplatz, der auf den Namen “Barmer Online Business” (Bob) getauft wurde. Die Beschaffungsplattform soll den Bestellvorgang von derzeit 21 auf sieben Schritte verkürzen und damit 20 bis 30 Prozent der Prozesskosten einsparen. Über ein elektronisches Ausschreibungs-Management lassen sich mit einiger Sicherheit auch die Preise senken. Unter dem Strich könnte die Barmer so einen Teil ihres für 2002 errechneten Defizits im unteren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich kompensieren. Innerhalb eines Jahres werde sich die Investition von "deutlich unter einer Million Euro" auszahlen, so Vöcking.

Softwaregrundlage für Bob ist die “Enterprise-Buyer”-Software von SAP. Aus den Entwicklungslabors des größten deutschen Softwareunternehmens stammen auch die Back-Office-Anwendungen der Barmer. Die geplante Integration dieser Systeme mit der neuen Beschaffungsplattform wird einen bruchfreien Datenfluss von der Ausschreibung bis zur Verbuchung ermöglichen.

Dabei will der Krankenversicherer den elektronischen Marktplatz nicht einmal selbst betreiben, sondern bei der Telekom-Tochter T-Systems "mieten". Mit dem designierten Application-Service-Provider (ASP) beziehungsweise seinen Vorgängergesellschaften pflegt die Barmer bereits seit 13 Jahren geschäftliche Beziehungen. Eigenen Angaben zufolge nutzt T-Systems für Bob dieselbe "transaktionale Plattform" wie beispielsweise auch für den Chemiemarktplatz CC-Chemplorer oder den Telekom-eigenen "T-Mart". (qua)