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CeBIT: AVM appelliert an Vernunft der Regulierer

10.03.2005

HANNOVER (COMPUTERWOCHE) - Entgegen der allgemeinen VoIP-Euphorie auf der CeBIT fand AVM-Geschäftsführer Johannes Nill eher warnende Worte: "Ich hoffe, dass diejenigen, die in Deutschland über die Rahmenbedingungen entscheiden, nicht durch Überregulierung die positiven Kräfte blockieren." Für Nill, dessen Unternehmen im letzten Jahr rund eine Million DSL-Modems in Deutschland verkaufte, droht nämlich die Gefahr, dass Deutschland wie bei der Zahl der Breitbandanschlüsse auch bei VoIP im internationalen Vergleich auf den hintersten Rängen landet. Eine Gefahr, die auch Beratungsunternehmen wie Arthur D. Little sehen. Nach ihrer Prognose werden hierzulande 2007 nur knapp über zehn Prozent der Bevölkerung per VoIP telefonieren, während bei unseren französischen Nachbarn bereits 60 Prozent die neue Technik nutzen werden. In Japan, so die Prognosen, hat VoIP in zwei Jahren bereits die klassische Telefonie verdrängt.

Einen Grund dafür, dass Deutschland bei der Entwicklung im internationalen Vergleich ins Hintertreffen gerät, sieht Nill in der marktbeherrschenden Stellung der Telekom, die rund 86 Prozent aller DSL-Anschlüsse liefert. Deshalb appellierte Nill an die politisch Verantwortlichen, endlich dafür zu sorgen, dass ein entbündelter Teilnehmerzugang zu fairen Konditionen möglich sei. Zudem forderte er die Realisierung eines Bitstream-Access ein, damit die Wettbewerber der Telekom selbst die DSL-Up- und Download-Raten festlegen können. Last, but not least sollte man sich hierzulande den Light-touch-Ansatz der EU-Kommission zu Eigen machen, die für eine möglichst freie Entfaltung der Internet-Telefonie plädiert. So sollten zwar Themen wie Notruf oder Abhörmöglichkeiten im Zusammenhang mit der IP-Telefonie durchaus ernst genommen werden, doch sie dürften die Innovation nicht behindern, denn "hätten wir bei der Einführung des Handys die gleichen regulatorischen Ansprüche gehabt, dann hätten sich die Mobiltelefone nie durchgesetzt".

Sein eigenes Unternehmen sieht Nill für den Weg in die VoIP-Zukunft mit Produkten wie der "Fritz!Box Fon" , die ISDN-TK-Anlage, DSL-Modem und -Router und VoIP-Gateway in einem Gerät vereint, gut aufgestellt.. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, dass alle seine DSL-Fritz-Produkte den neuen ADSL-2-Standards entsprechen, die ab Mitte 2005 in Deutschland eingeführt werden. Diese erlauben zum einen größere Entfernungen zwischen Vermittlungsstelle und Endbenutzer, zum anderen definieren sie DSL-Transferraten von bis zu 24 Mbit/s. In Sachen WLAN schaltet AVM mit 802.11g++ den Turbo zu und überträgt Daten per Funk mit bis zu 125 Mbit/s. Damit erhöht sich der Nettodatendurchsatz im Vergleich mit 802.11g um knapp 35 Prozent. (hi)