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CeBIT: Ab 2008 wird alles anders

23.01.2007
Kürzer und nach Themen strukturiert will sich die Messe im kommenden Jahr präsentieren.

Ernst Raue, Vorstandsmitglied der Deutschen Messe AG spricht von einem Paradigmenwechsel. Ab 2008 soll die weltgrößte IT-Messe von sieben auf sechs Tage verkürzt werden. Statt von Donnerstag bis Mittwoch wird die Veranstaltung von Dienstag bis Sonntag dauern.

Die CeBIT-Veranstalter, die seit Jahren mit rückläufigen Aussteller- und Besucherzahlen kämpfen, suchen ein neues Konzept für die Messe (siehe auch: Deutsche Messe AG leidet unter der CeBIT-Krise). Statt Produkten sollen künftig Themen im Vordergrund stehen, kündigt Raue an. Wie sich bereits heute Produktanbieter und Dienstleister um Themenfelder wie den Public Sector und Security gruppieren, soll sich künftig die gesamte Messe rund um derartige Lösungsbereiche aufstellen.

Die Veranstalter möchten den Nutzen für Aussteller wie für Besucher erhöhen. Raue zufolge werden die Kosten für den Messeauftritt sinken. Angesichts der schrumpfenden Margen auf Seiten der Hersteller seien die Preise aus den Boom-Zeiten der Branche nicht mehr zu halten. Außerdem planen die Veranstalter im Rahmen der verschiedenen Themenbereiche mehr Veranstaltungen. Konferenzen, Vorträge und Foren sollen den Ausstellern einen effizienteren Auftritt ermöglichen und den Besuchern mehr Information bieten. "Es genügt heute nicht mehr, einfach eine Messe aufzuschließen und sich nur als Hallenvermieter zu präsentieren", zeigte sich Raue selbstkritisch (siehe auch: Bitkom verlangt von den CeBIT-Machern bessere Außendarstellung).

Auch für die Besucher wird sich ab 2008 einiges ändern. Die Messeverantwortlichen wollen eine verbindliche Registrierung einführen. Damit soll sich Quantität und Qualität der Kontakte für die ausstellenden Firmen verbessern. Der Business-Fokus der CeBIT bleibe jedoch erhalten, betont der Messevorstand. Zwar werde auch künftig das Home-Umfeld in Hannover präsent sein. Damit adressiere die CeBIT jedoch weniger den Endverbraucher als vielmehr den Handel, der sich auf der Messe über die neuen Entwicklungen in Sachen Consumer Electronic informieren wolle.

Raue ist zuversichtlich, mit diesen Maßnahmen den Negativtrend der vergangenen Jahre stoppen zu können. Den Vorwurf, zu spät reagiert zu haben, lässt er nicht gelten. Die Messe habe sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich mit ihren Partnern beraten. "Außerdem ist die CeBIT ein filigranes Gebilde", warnt Raue. "Schnelle und unbedachte Handlungen sind gefährlich."

Schnell gehandelt haben indes große IT-Anbieter wie Motorola und Nokia (siehe auch: Nokia sagt CeBIT-Teilnahme ab und Motorola und Benq verzichten auf CeBIT). Die langjährigen CeBIT-Anhänger haben neben einer Reihe weiterer Hersteller ihre Teilnahme für dieses Jahr aufgekündigt. Diese Absagen müssen nicht mit der Messe an sich zusammenhängen, wiegelt Raue ab. Das Fernbleiben könne auch firmeninterne Gründe haben. "Absagen werden oft überbewertet." Außerdem hätten Fusionen und Kooperationen die Reihen der Aussteller gelichtet.

Zahlen zur vermieteten Fläche, Ausstellern und Besuchern spielten heute keine so große Rolle mehr, schlägt der Messe-Manager neue Töne an. Anders als in den Boom-Zeiten, als Jahr für Jahr neue Rekordzahlen für die Stärke der CeBIT herhalten mussten, stünden heute die Themen und der Nutzen der Veranstaltung im Vordergrund.

So hält sich Raue mit Prognosen zur anstehenden CeBIT 2007 zurück. Er erwartet mit rund 6000 teilnehmenden Firmen eine etwas geringere Ausstellerzahl als im vergangenen Jahr. Zur Zahl der Besucher wagt er keine Vorhersage. Der Markt sei volatiler und kurzlebiger geworden. Viele Hersteller entschieden heute kurzfristig über einen Messeauftritt. Langfristige Verträge seien eher die Ausnahme. Die Hersteller argumentierten damit, dass sie noch nicht wüssten, wo sie in einigen Monaten mit ihrem Portfolio stünden und damit keine verbindlichen Aussagen über ihre Messestrategie möglich seien.

"Heute läuft alles viel schneller", lautet Raues Fazit. Die kurzfristige Quartalsdenke der Amerikaner sei überall zu spüren. 90 Prozent der Entscheidungen, ob CeBIT oder nicht, würden heutzutage außerhalb Europas getroffen. (ba)