CeBIT 2006: "Wir haben aus dem Markt herausgeholt, was möglich ist."

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Ernst Raue ist Chef der Messe AG in Hannover. Über die Gegenwart und Zukunft der CeBIT sprach er mit CW-Redakteur Jan-Bernd Meyer.

CW: Sie wurden in jüngster Vergangenheit für einen unklaren Kurs der CeBIT gescholten: Zum einen soll sie eine Business-Messe in reiner Form sein, zum anderen aber auch die Unterhaltungselektronik einbinden. Hat die CeBIT ein Problem, sich selbst zu definieren?

RAUE: Nein. Natürlich ist die CeBIT eine Business-Messe. Dafür ist sie gemacht. Im Grunde zeigen wir hier Kundenlösungen nach Bedarf. Im Jahr 2004 hatten wir uns ja klar ausgerichtet und drei horizontale Bereiche definiert: zum einen alles, was im Unternehmen abläuft, also die Business-Prozesse. Das sehen Sie in den Hallen 1 bis 9. Da zeigen wir sämtliche Lösungen, auch die für den Mittelstand.

Einen weiteren Bereich haben wir als Digital Equipment and Systems bezeichnet. Hier präsentieren alle Anbieter von Hardware. Der dritte große Bereich beschäftigt sich mit Kommunikationstechnik. Vor allem dieser hat den Markt in der Vergangenheit angetrieben.

CW: Das beantwortet nicht die Frage…

Messechef Ernst Raue sieht der jährlichen IFA gelassen entgegen.
Messechef Ernst Raue sieht der jährlichen IFA gelassen entgegen.

RAUE: Nun, gerade bei den Kommunikationstechniken sehen Sie viele Lösungen, bei denen Sie nicht mehr zwischen Privatnutzung und Arbeit trennen können. Meine Aussage von vor zwei Jahren, dass die Arbeits- und Lebenswelten zusammenwachsen, ist deshalb weiter gültig, und das spiegelt sich auch in der CeBIT wider. Die Dinge wachsen zusammen, und die CeBIT zeigt dieses gesamte Spektrum - übrigens als einzige Messe überhaupt.

CW: Trotzdem noch einmal: Welche Wertigkeit haben die Unterhaltungselektronik und die Business-Lösungen für die CeBIT?

RAUE: Der Markt für die private digitale Nutzung wächst dynamischer als der Business-Markt. Letzterer ist aber mit einem Anteil von 80 Prozent viermal so groß.

CW: 2004 hatte die CeBIT aus dieser Erkenntnis heraus das Thema "Digital Lifestyle" geboren, im kommenden Jahr nennen Sie es "Digital Living". Geben Sie demselben Kind unterschiedliche Namen, um dem Besucher das Gleiche zu verkaufen?

RAUE: Digital Lifestyle und Digital Living verkörpern in der Tat etwas Ähnliches. Aber den Begriff Digital Living haben wir uns schützen lassen, weil wir wussten, dass dieses Thema in Zukunft jeden begleiten wird. Die Sonderschau kommendes Jahr in Halle 27 zeigt deshalb exemplarisch, wie verschiedenste Geräte und IT-Anwendungen im privaten Haushalt zusammenwirken. Dieser Bereich ist als Event gedacht, übrigens auch bis 22 Uhr geöffnet.

CW: In jüngsten Berichten wurde auf Unternehmen verwiesen, die der CeBIT 2006 fernbleiben werden - Cisco zum Beispiel. Dies sollte ein nachlassendes Interesse an der ITK-Leitmesse dokumentiere.

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