CeBIT 1986 bis 2006: Jubiläumsprobleme

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Die CeBIT hat Schwierigkeiten - sinkende Besucherzahlen, weniger Aussteller und scheinbar unklare Ausstellungskonzepte. Und jetzt stellt auch noch die Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin auf jährlich um.

Der Chef der Messe AG, Ernst Raue, verkündete im Jahr 2004, in Zukunft werde sich alles ändern: die Art einzukaufen, zu leben und zu arbeiten. Er bezog diese Aussage auf den überwältigenden Einfluss, den das Internet auf Menschen und Gesellschaften ausüben werde. Diese Veränderung werde auch das Gesicht der CeBIT modifizieren. Informationstechnik und Unterhaltungselektronik, so das Diktum, würden immer mehr verschmelzen.

Hier lesen Sie...

  • was die CeBIT im kommenden Jahr zeigt;

  • wie viele Aussteller kommen;

  • warum die CeBIT den Markt widerspiegelt;

  • und warum die Internationale Funkausstellung in Berlin den Hannoveranern keine Sorgen macht.

Raue reagierte mit dieser Prognose auf die Tatsache, dass von den Hardwareherstellern kein spürbares Wachstum mehr kam und auch das Geschäft der Applikations- und Lösungsanbieter stagnierte. Eine Branche schien überwintern zu wollen. Dann kamen Spielkonsolen, multifunktionale Handys, PCs als Informations- und Unterhaltungszentrum für private Haushalte. Die Unterhaltungselektronik (UE) hielt Einzug auf der CeBIT, und ein Hauch von Boom schien sich wieder über die Messe in Hannover zu legen.

Raue behielt zwar Recht mit der Meinung, die Unterhaltungselektronik werde sich zum Wachstumsmotor herausbilden. Er betont aber selbst (siehe Interview), dass das angestammte Informations- und Telekommunikationssegment das mit Abstand größte ist, wenn auch UE dynamischer wachse.

Eklat auf der Messe

Noch 2002 war es auf der Messe an der Leinestadt zum Eklat gekommen, als Sony seine "Playstation 2" präsentierte und Microsoft verlangte, die Geräte zu entfernen. Böse Zungen behaupteten, der Softwareriese habe nur deshalb gemosert, weil sein Konkurrenzprodukt, die "Xbox", noch nicht marktreif war.

Zwei Jahre später war das Thema UE nicht mehr wegzudenken. Allerdings mehrten sich die Kritiker, die die CeBIT als Business-Messe mit der Öffnung in Richtung Digital Lifestyle verwässert sahen. Irritiert fragten sich viele Aussteller noch ein Jahr später, was denn die von Samsung in Halle 27 veranstaltete "WCG 2005 - Samsung Euro Championship" auf einer CeBIT zu suchen habe. Über 300 Profispieler aus 30 Nationen gaben sich auf dem nach Angaben der Südkoreaner weltgrößten E-Sport-Event ein Stelldichein.

CeBIT gestern und heute

  • 2001: 830 000 Besucher 8106 Aussteller;

  • 2002: 674 000 Besucher 7962 Aussteller;

  • 2003: 560 000 Besucher 6600 Aussteller;

  • 2004*: 510 000 Besucher 6109 Aussteller;

  • 2005: 480 000 Besucher 6270 Aussteller.

*Ab 2004 wieder einen Tag kürzer.

Andere Aussteller wie die Sicherheitsspezialisten Trend Micro und Symantec machten ihrem Ärger über karnevaleske Umtriebe in den Hallen bei der Messeleitung Luft. Lautstarke Sambarhythmen und knapp bekleidete Damen von den Ständen verschiedener UE-Aussteller ließen Geschäftsgespräche im Spektakel förmlich untergehen. Wenn diese Unterhaltungsgeschichten auf der CeBIT überhand nähmen, werde man überlegen, künftig Hausmessen zu veranstalten und Hannover fernzubleiben, hieß es.

Die Verantwortlichen der Messe sehen hingegen keinen Weg mehr zurück von dem, was nicht nur sie Konvergenz der Techniken nennen. Das betont Messechef Raue heute, das hatte er auch schon auf der Abschlusspressekonferenz 2005 gesagt. Noch vor zwei Jahren habe man sich gegen Consumer Electronics auf der CeBIT gewehrt: "Aber die Konvergenz zwischen IT und UE ist nicht mehr aufzuhalten."

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