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CeBIT: 1&1 geht mit DSL-Telefonie auf Konfrontationskurs gegen die Telekom

09.03.2005

HANNOVER (COMPUTERWOCHE) - "2005 wird das Jahr, in dem Internet und Telefonie zusammenwachsen", prognostizierte Andreas Gauger, Vorstandssprecher der 1&1 Internet AG. Mit dem Paket "1&1 Surf + Phone" will der Provider seine Prognose tatkräftig unterstützen. Damit sollen die Nutzer ab April 2005 eine breitbandige Internet-Flatrate für 9,90 Euro sowie einen Telefon-Pauschaltarif für 19,90 Euro erhalten. Darin inbegriffen: 100 Stunden Telefonate ins deutsche Festnetz.

Mit dieser Offerte will Gauger das Standbein Internet-Telefonie stärken. Bereits im Februar habe 1&1 rund 30 Millionen Telefonminuten ins deutsche Festnetz vermittelt. Allerdings seien keine Vergleiche mit anderen Anbietern möglich, da diese keine entsprechenden Zahlen veröffentlichen.

Mit 1,05 Millionen DSL-Kunden sieht Gauger den zweiten Platz für 1&1 im deutschen Breitband-Ranking hinter T-Online mit 3,2 Millionen Nutzern bestätigt. Im laufenden Jahr will der Provider stärker als der Markt und die Wettbewerber zulegen. Das dürfte jedoch nur über einen weiter verschärften Preiskampf funktionieren. So geht auch Gauger davon aus, dass die DSL-Preise 2005 weiter nachgeben werden. Das Ende der Fahnenstange sei noch nicht erreicht.

Weitere Marktanteile sollen die neuen Telefonieangebote bringen. Gauger spekuliert auf etwa 250 000 Kunden, die im laufenden Jahr die neue Offerte nutzen sollen. Damit widerspricht der 1&1-Chef der Prognose des Telekommunikationsverbands VATM, der sich Ende vergangenen Jahres eher zurückhaltend über die Aussichten im Internet-Telefoniegeschäft geäußert hatte. Die neuen günstigen DSL-Telefoniepakete dürften Gauger zufolge die klassischen Festnetzbetreiber sowie Call-by-Call-Anbieter kräftig unter Druck setzen.

Für Gauger ist das neue Angebot "die konsequente Weiterentwicklung dessen, was im Internet möglich ist". Von einer Kampfansage an die Telekom will Gauger nach einem kurzen Zögern indes nichts wissen. Vor dem Hintergrund der Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate ist jedoch von einem sich weiter verschärfenden Wettbewerb im Breitbandgeschäft auszugehen, gerade wenn damit das Kerngeschäft des ehemaligen Staatsmonopolisten Telekom aufs Korn genommen wird.

DSL-Provider wie 1&1, die als Wiederverkäufer von Breitbandanschlüssen der Telekom im Markt fungieren, hatten sich zu Beginn des Jahres vehement über Verzögerungen bei der Bereitstellung von DSL-Anschlüssen durch die Telekom beschwert. Diese Probleme seien zwar noch nicht behoben, aber sie befänden sich auf dem Weg der Besserung, berichtet Gauger. Nach wie vor müssten sich Kunden auf Wartezeiten bis zu einem Monat einstellen, warnt er. "Die Telekom hat die Sache nicht im Griff."

Angesichts dieser Schwierigkeiten spekuliert der 1&1-Chef offen über Alternativen. Wie auch Wettbewerber Freenet bereits angekündigt hat, liege der Aufbau einer eigenen Netzinfrastruktur im Bereich des Möglichen. Dies könne auch in Kooperation mit anderen Providern geschehen. Mit der Telekom werde ebenfalls weiter verhandelt, "allerdings ist deren Angebot noch zu schlecht. Der Preis ist hier der entscheidende Parameter." (ba)