CCI: Von Wang-Managern umgekrempelt

30.10.1987

Bis Sommer 1985 war John Cunningham als President zweiter Mann bei Wang Laboratories. Als das Unternehmen in die roten Zahlen rutschte, eskalierten die Meinungsverschiedenheiten zwischen dem amerikanischen Geschäftsführer und seinem aus China stammenden Chef An Wang. Nach Presseberichten, denenzufolge er auf der Abschußliste stand, verließ Cunningham nach einer 18jährigen Wang-Karriere den Konzern. Er wechselte auf den Vorstandssessel der damals weitestgehend unbekannten Pirma Computer Consoles Inc. (CCI).

Auch CCI, 1958 als Tastatur- und Bildschirmhersteller gegründet, schrieb rote Zahlen. Im Jahr 1985 wies das Unternehmen einen Verlust von fast 42 Millionen Dollar aus - bei einem Umsatz von 112 Millionen Dollar. Voriges Jahr verringerte Cunningham das Defizit auf 3 Millionen Dollar bei Einnahmen von 130 Millionen Dollar. Für das laufende Geschäftsjahr zeichnet sich inzwischen ein positives Betriebsergebnis ab.

In den siebziger Jahren bestand das Hauptgeschäft von CCI in der Entwicklung von rechnergesteuerten Systemen für die Auskunftsstellen amerikanischer Telefongesellschaften. Seit 1981 engagiert sich das Unternehmen im Bereich Bürokommunikation: 1982 kam ein Geschäftsbereich für Supermini-Computer hinzu. Heute produziert CCI 32-Bit-Rechner, die unter Unix laufen und fast ausschließlich unter Fremdmarken (Harris, Unisys, ICL Clan) angeboten werden. Geschäftliche Randbereiche warf Cunningham über Bord.

Für den Aufbau eines internationalen Vertriebsnetzes engagierte der neue CCI-Boß John Taylor, einst bei Univac und von 1983 bis 1985 Marketingdirektor der Wang Deutschland GmbH. Die ersten Kontakte in der Bundesrepublik knüpfte CCI entsprechend im Wang-Umfeld, so etwa mit dem CDU-eigenen Software- und Dienstleistungsunternehmen Dico-Soft und dem "Waiblinger Softwarehaus". Bei Dico-Soft tritt man gar in direkten Vergleich mit Wang: Der einstige Arbeitgeber von Cunningham und Taylor tritt neben CCI und Nixdorf als Kooperationspartner der schwarzen Softwerker auf.