Für 4 Milliarden Dollar

Capgemini kauft mit Igate mehr Marktanteil in Nordamerika

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Der französische IT-Dienstleister Capgemini will die ähnlich aufgestellte US-Firma Igate übernehmen.

Capgemini bietet einer Mitteilung zufolge 48 Dollar für jede Aktie von Igate. Die Verwaltungsgremien beider Unternehmen unterstützen die Offerte einstimmig, überdies haben Aktionäre schriftlich ihr Einverständnis erklärt, die eine Mehrheit an Igate halten. Igate sitzt in New Jersey, setzte im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Dollar um, wuchs zweistellig und kam auf knapp 20 Prozent operative Marge (eine 17-Milliarden-Dollar-Abschreibung für Aktienvergütungen nicht mitgerechnet).

Knapp 80 Prozent der Einnahmen von Igate entfielen 2014 auf Nordamerika, gefolgt von Europa (14 Prozent) und Asien (sieben Prozent). Auf der Kundenliste des Technologie- und Dienstleistungsunternehmens stehen unter anderem General Electric und die Royal Bank of Canada; der Zukauf stärke die Kernsparten von Capgemini Anwendungs- und Infrastruktur-Services sowie BPO (Business Process Outsourcing) und Engineering Services.

Ergebnis der Übernahme wäre eine Unternehmensgruppe mit für 2015 geschätzten 12,5 Milliarden Euro Umsatz, rund 190.000 Mitarbeitern (davon mehr als 100.000 in den unter der Marke "Rightshore" segelnden Delivery-Centern) und einer operativen Marge von mehr als zehn Prozent. Die Integration des Zukaufs glaubt Capgemini in neun Monaten abschließen zu können. Die Franzosen erwarten jährliche Cross-Selling-Synergien von 100 bis 150 Millionen Dollar pro Jahr und binnen drei Jahren erreichbare Effizienzsteigerungen von 75 bis 105 Millionen Dollar.

Capgeminis erklärtes Ziel ist ein Ausbau seiner Präsenz auf dem nordamerikanischen Kontinent, "mit weitem Abstand größter und innovativster Technologie- und Services-Markt der Welt"; mit Igate würde Capgeminis Umsatz dort um ein Drittel auf geschätzte 4 Milliarden Dollar steigen und Nordamerika mit 30 Prozent der erwarteten gemeinsamen Erlöse zur größten Region des Unternehmens werden. Rund 50.000 Mitarbeiter von Capgemini würden dann für Kunden aus Nordamerika arbeiten.

"Capgemini verstärkt sich mit der Igate-Akquisition entlang der bisherigen Value Chain, sowohl in horizontaler als auch vertikaler Hinsicht. Es ist aber eher eine quantitative und weniger eine qualitative Erweiterung der Kompetenzen. Entsprechend verschafft die Akquisition Capgemini vor allem Zugang zu weiteren Kapazitäten in Offshore-Regionen, aber auch zusätzliche Präsenz in dem wichtigen nordamerikanischen Markt", kommentiert der Analyst Tobias Ortwein, Senior Vice-President, PAC GmbH, München. "Dadurch bestehen gute Möglichkeiten für Capgemini, aus der Übernahme große Synergieeffekte zu erzielen. Mit dem Zusammenschluss kann Capgemini künftig auf zirka 90.000 Mitarbeiter in Indien zurückgreifen. Das ist kein unwesentlicher Faktor, weil die Nachfrage nach Offshore-Kapazitäten auch in Kontinentaleuropa stark zulegt." Mit der Igate-Übernahme schließe Capgemini hinsichtlich der Verfügbarkeit von Offshore-Ressourcen nun langsam zu anderen Playern wie IBM oder Accenture auf.

Unabhängig von den Übernahmeplänen gab Capgemini für sein Ende März abgeschlossenes erstes Quartal Einnahmen von 2,764 Milliarden Euro bekannt. In Nordamerika wuchsen die Erlöse um 11,7 Prozent; wohingegen es in Europa durch einen geänderten Vertrag mit einem Großkunden in Großbritannien und Irland rückläufige Einnahmen gab. Die Bookings seien um 10,3 Prozent gestiegen, was Capgemini als Nachweis einer gelungenen Anpassung seines Portfolios an die Kundennachfrage wertet; Ergebnisse unterm Strich wurden nicht mitgeteilt.