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Capellas: Auch ohne HP hat Compaq eine Zukunft

12.12.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Für den Fall, dass die geplante 24 Milliarden Dollar teure Fusion zwischen Hewlett-Packard (HP) und Compaq scheitern sollte, hat Compaq konkrete Pläne, wie es alleine weitergeht. Das erklärte CEO Michael Capellas auf der Messe "Internet World Fall 2001" in New York. "Wie sich jeder denken kann, haben wir eine fortlaufende Geschäftsstrategie. Das ist ganz normal und eine Frage des gesunden Menschenverstands." Gleichzeitig betonte er jedoch, dass er nach wie vor voll und ganz hinter dem Merger mit HP stehe: "Daran besteht kein Zweifel."

In seiner Rede ging Capellas auf eine interne Nachricht ein, die er am vergangenen Freitag per E-Mail an alle Compaq-Angestellten geschickt hatte, und die anschließend an die Presse durchgesickert war. Darin hatte der Top-Manager auf die an jenem Tag veröffentlichte Entscheidung der David und Lucile Packard Foundation reagiert, gegen die Übernahme von Compaq durch HP stimmen zu wollen. In der Notiz an die Mitarbeiter bekräftigte Capellas die Merger-Pläne, wies jedoch darauf hin, dass man auch ohne HP seine Ziele erreichen könnte. Diese bestünden darin, die Produkte und Dienstleistungen für große Unternehmen auszubauen und Compaq mit einem Serviegeschäft auszustatten, das es mit IBMs Global Services aufnehmen könnte. Compaq könne auch ohne HP das margenschwache PC-Geschäft verbessern und gleichzeitig

innovative Technologien entwickeln. "Unsere Verantwortung besteht darin, einen pragmatischen Blick auf unser Geschäft und einen klaren Blick in die Zukunft zu behalten", erklärte Capellas. "Wir glauben weiterhin daran, dass die Fusion im besten Interesse der Aktionäre, Angestellten, Kunden und Partner wäre", heißt es in der E-Mail von Capellas weiter. Zudem zeigte sich der Compaq-Chef enttäuscht über die Entscheidung der David and Lucile Foundation, die 10,4 Prozent an HP hält und deren Gegenstimme voraussichtlich andere Aktionäre beeinflussen wird.

Darüber, dass die interne Mail publik wurde, zeigte sich Capellas nicht erstaunt. "Heimlicher hätte ich es nicht bewerkstelligen können oder? Die Notiz ging an 67.000 Angestellte - irgendwie habe ich geahnt, dass sie an die Öffentlichkeit dringen würde", scherzte er.

In seiner Keynote ging Capellas zudem auf künftige Trends in der IT-Industrie ein. Er sieht die neue Welle des Internet in der Verbreitung von breitbandigen Audio- und Video-Inhalten. Dieser Content werde über einen Großteil der bereits existierenden Internet-Infrastruktur geliefert. "Wir haben die derzeitigen Applikationen für die Datenverarbeitung gebaut. Nun entwickeln wir Lösungen, um die Inhalte zu verwalten. Es wird keine neue Architektur geben, sondern ein neues Content-Delivery-System", sagte Capellas. Ein Beispiel dafür sei die neue Compaq-Initiative "Adaptive Infrastructure", die der texanische Computerhersteller in der vergangenen Woche zusammen mit seiner Bladeserver-Strategie vorstellte (Computerwoche online berichtete). In deren Rahmen sollen Compaqs Wintel-Maschinen der "Proliant"-Familie sich in Zukunft weitgehend selbst verwalten und reparieren, und so dem Anwender jede Menge Aufwand und

Zeit ersparen.

Zur augenblicklichen IT-Situation meinte Capellas, er beobachte eine leicht ansteigende Nachfrage. Peter Johnson, ein Berater von Sitecom Strategies, stimmte dieser Einschätzung zu. IT-Manager hätten im zweiten und dritten Quartal 2001 einige Investitionspläne aufgrund der wirtschaftlichen Lage und der Terrorattacken vom 11. September verschoben. Jetzt hätten sie Nachholbedarf. "Ich glaube, wir werden Mitte 2002 eine steigende IT-Nachfrage erleben, wenn diese Projekte richtig loslegen. Man kann notwendige Ausgaben nicht für immer auf Eis legen", sagte Johnson. (ka)