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Cap Gemini: Mittelstand hat beim E-Business die Nase vorn

12.10.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die gute Nachricht vorweg: Die deutschen Industrieunternehmen werden im kommenden Jahr weiter in E-Business-Projekte investieren, jedes zweite sogar verstärkt, so eine Studie, die Cap Gemini Ernst & Young gemeinsam mit dem Competence Center E-Business der Universität Trier veröffentlicht hat. Allerdings empfieht das Beratungsunternehmen vor allem den Großkonzernen, ihre Aktivitäten neu zu überdenken.

Drei Viertel der mehr als 300 befragten CIOs und E-Business-Verantwortlichen beurteilen das digitale Geschäft als ein wichtiges Thema, aber nicht einmal jeder zweite hat eine Strategie dafür vorzuweisen. Sind die anderen deswegen schlechter dran? – Eher im Gegenteil! "Die Unternehmen, die eine Strategie haben, tun sich am schwersten dabei, E-Business umzusetzen", konstatiert Bernd Zanner, Principal Strategy & Transformation bei Cap Gemini Ernst & Young.

Erwartungsgemäß seien es vor allem die großen Konzerne, die strategisch vorgingen, und dort liefen bisweilen mehr als 50 E-Business-Projekte parallel. "Zwei Drittel bestätigen, dass sie die Komplexität des Themas unterschätzt haben", so Zanner. "Man könnte auch sagen: Die Strategien sind zu wischiwaschi." Erschwerend komme hinzu, dass die großen Unternehmen überproportional mit organisatorischen Hindernissen und dem "Bremsfaktor Altsysteme" zu kämpfen hätten.

Insbesondere den Konzernen empfiehlt Zanner deshalb eine "strategische Denkpause". Sie sollte dazu genutzt werden, Projekte und strategische Prioritäten in Einklang zu bringen, eine saubere Kosten-Nutzen-Betrachtung vorzunehmen und die Leistung der bei den meisten Befragten vorhandenen Koordinationsstelle für das E-Business zu hinterfragen. Der Cap-Gemini-Manager: "Vorhaben, die keinen sauberen Business-Case haben, sind einzustellen. Heute werden viel zu wenig Projekte gekillt." Auf diese Weise ließe sich auch die Erfolgsquote der E-Business-Anwendungen erhöhen. Der Cap-Gemini-Studie zufolge sind die Unternehmen mit dem Erfolg ihrer Projekte in der Summe eher unzufrieden: Drei von fünf Applikationen hinken hinter den in sie gesetzten Erwartungen her.

Relativ erfolgreich laufen die Projekte offenbar in kleineren Unternehmen. Der Mittelstand habe zwar weniger gemacht, aber vieles richtig, erläutert Zanner; vor allem habe er sich nicht "verzettelt". Die Projekte seien früh begonnen, mit viel Druck betrieben und schnell von Erfolg gekrönt worden. Das hat allerdings einen Nachteil: Die Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Umsatz sind - neben dem auf schnellen Return on Investment bedachten Handel - die einzigen, die 2002 durchschnittlich weniger Geld für das E-Business ausgeben wollen als im laufenden Jahr.