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CA will Aktienoptionen in der Bilanz verbuchen

30.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der US-Softwarekonzern Computer Associates (CA) hat offenbar einen neuen Schmusekurs eingeschlagen: Vergangene Woche überraschte CA den Großinvestor Sam Wyly nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit einem Friedensangebot (Computerwoche online berichtete). Nun will das Unternehmen aus Islandia, New York, freiwillig für mehr Klarheit in den Bilanzen sorgen. Ab dem Geschäftsjahr 2004 (Ende: 31. März 2004) plant CA, die Kosten für Aktienoptionsprogramme, mit denen Topmanager oder besonders tüchtige Mitarbeiter belohnt werden, auf der Ausgabenseite zu verbuchen.

Nach US-Gaap können die Firmen frei wählen, ob sie entsprechende Aufwendungen in die Bilanz aufnehmen wollen. Die meisten entscheiden sich dagegen und geben die Kosten lediglich im Anhang an. Aus gutem Grund: Der Softwareriese Microsoft hätte bei Berücksichtung der Aktiengeschenke im vierten Quartal (Ende: 30. Juni) statt 1,53 Milliarden nur einen Nettogewinn von 903 Millionen Dollar erzielt. Der Jahresüberschuss der Gates-Company wäre gar von 7,38 Milliarden auf 5,36 Milliarden Dollar geschrumpft. Aus gutem Grund verzichtet CEO Steve Ballmer daher vorerst auf die Bilanzierung der Aktienoptionen.

Auf der anderen Seite hat Coca-Cola bereits in diesem Monat damit begonnen, die Aktiengeschenke als Kosten zu verbuchen, weitere Unternehmen wie der Ketchup-Riese H.J. Heinz Co., Delta Airlines oder die Washington Post haben entsprechende Schritte angekündigt. Ihr Ziel ist es, nach den Bilanzierungsskandalen bei Enron und Worldcom reinen Tisch zu machen und für mehr Klarheit in den Finanzberichten zu sorgen. Auch CA muss das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen: Bei dem Softwarekonzern prüfen derzeit die SEC und das Justizministerium die Bilanzen und die Umstände von Aktienprämien an Top-Manager im Jahr 1998. Damals hatten sie als Belohung für einen guten Börsenkurs Aktienpakete im Gesamtwert von rund einer Milliarde Dollar erhalten. Laut CEO Sanjay Kumar soll die Änderung in der Bilanzierungspraxis den operativen Gewinn im nächsten Geschäftsjahr um zwei Cent pro Aktie senken. (mb)