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CA nutzt Hausmesse für groß angelegte Markenkampagne

10.07.2001
Entlang der vor kurzem postulierten drei strategischen Kategorien und sechs Lösungsbereiche (3x6-Strategie) sortiert CA seine Produkte neu und ordnet sie inklusive neuer Versionen und Upgrades den großen Produktfamilien Unicenter, E-Trust, Jasmine und der neuen Speicher-Management-Suite Brightstor zu.

Von CW-Redakteur Christoph Witte

ORLANDO (COMPUTERWOCHE) - Entlang der vor kurzem postulierten drei strategischen Kategorien und sechs Lösungsbereiche (3x6-Strategie) sortiert CA (Computer Associates) seine Produkte neu und ordnet sie inklusive neuer Versionen und Upgrades den großen Produktfamilien Unicenter, E-Trust, Jasmine und der neuen Speicher-Management-Suite Brightstor zu.

CA nutzte seine jährliche Hausmesse, um vor allem drei Botschaften unters Volk zu bringen: Wir sind freundlicher zu unseren Kunden, wir sind fokussiert und wild entschlossen, in den sechs Lösungsbereichen Enterprise Management, Security, Storage, E-Business-Transformation und -Integration, Portale und Knowledge-Management sowie vorausschauende Analyse und Visualisierung zu den Top-Drei-Anbietern zu gehören. Diese sechs Segmente werden wiederum zu den drei strategischen Kategorien E-Business-Process-Management, E-Business-Information-Management und E-Business-Infrastrustruktur-Management zusammengefasst.

In der Kategorie Infrastruktur laufen sämtliche Speicher- , System-, Netz-, Datenbank- und Applikations-Management-Tools. Hier scheint CA mit der jetzt allgemein verfügbaren neuen "Unicenter"-Version 3.0, der in "Brightstor" umbenannten Speicher-Management-Suite sowie dem Security-Paket "E-Trust" und den Applikation-Management-Tools am besten aufgestellt zu sein.

Unicenter: Stärker modularisiert

Besonders der modulare Aufbau, den CA Unicenter gegönnt hat, dürfte die Netz- und System-Management-Produkte für einen größeren Kreis von Kunden interessant machen. Im Gegensatz zur Vorgängerversion ("Unicenter TNG") kann jetzt jedes Produkt einzeln bezogen werden. Die früher durch das Framework gelieferten allgemeinen Services, die für die Integration der Produkte gebraucht werden, erhält jedes Modul nun separat. Außerdem lassen sich mit der neuen Version auch PDAs und andere drahtlose Endgeräte über Unicenter managen - und umgekehrt.

Laut CA ist es jetzt beispielsweise möglich, kritische Systemereignisse an "Blackberry"-Pager von Research in Motion (RIM) zu übertragen und von dem kleinen Device aus Aktionen anzustoßen. Ebenfalls neu sind einige Visualisierungs-Features in Unicenter, die Systeme bis hinunter zu den kleinsten Einheiten überwachen helfen. Trotz der neuen modularen Technologie erwartet CA keine Migrationsprobleme.

Weg vom Image des "Gemischtwarenladens"

An der bereits seit einem halben Jahr verfügbaren Produktfamilie "Jasmine ii" sticht das neue "Jasmine-ii-Portal" ins Auge, das in Zukunft Bestandteil von fast allen CA-Produkten werden soll. Sowohl Brightstor als auch E-Trust haben wenig neue Features aufzuweisen. Wichtig ist an ihnen, dass sie zentrale Elemente der neuen Markenstrategie sind, die CA seit einiger Zeit mit Verve verfolgt. Der Hersteller mag nicht länger als ein Unternehmen gelten, das einen ganzen Gemischtwarenladen von IT-Produkten vertreibt.

Die Middleware Jasmine, die intelligente Agententechnik "Neugents" und Unicenter könnten für CA zu Kristallisationspunkten in den IT-Systemen der Anwender werden, um die sich - vorausgesetzt der Kunde ist zufrieden - immer mehr CA-Produkte ansiedeln. Allerdings sind die Haken in diesen schön ausgelegten Ködern zum Teil stumpf: Warum sollte jemand einen Application-Server bei CA kaufen, wenn es die auch bei Bea, IBM oder Oracle gibt? Warum CAs Business-Intelligence-Tools erstehen, für die andere Anbieter ganz andere Ressourcen vorhalten? Wie will der Hersteller 1200 Produkte pflegen und weiterentwickeln, zumal CEO Sanjay Kumar verspricht, dass die Produkte seiner Company "best of breed" sein sollen?

Analysten sind skeptisch

Analysten von Gartner ließen sich jedenfalls nicht von der 3x6-Strategie überzeugen. "Sicher findet sich kein Produkt, dass nicht irgendwie in einen der sechs Lösungsbereiche fällt", stellt Betsy Burton fest, Research Area Director Database und System-Management. CAs selbst gesteckter Fokus sei viel zu breit. "Ich vermisse eine Vision - den Willen, in einem bestimmten Markt die Nummer eins zu sein." CA versuche als "Hans Dampf in allen Gassen" überall mitzumischen und konkurriere daher in etlichen Marktsegmenten mit großen Spezialanbietern. "Da kann CA gar nicht überall vorn mitspielen. Mir fehlen hier ein paar harte Entscheidungen", so Burton weiter.

Nur wenn das Unternehmen die Zahl seiner Produkte reduziert, kann es aus Sicht von Research Director Cameron Haight seine Kunden auf lange Sicht zufrieden stellen. "Wenn sie das nicht tun, verärgern sie mehr Kunden, als wenn sie bestimmte Produkte einstellen", glaubt Haight. Der Gartner-Mann ist sich übrigens sicher, dass die Vorwürfe von Ex-Sterling-Boss Sam Wyly über die geringe Kundenzufriedenheit bei CA nicht unberechtigt sind. Auch die Chance, neue Anwender zu gewinnen, hält Haight für relativ klein: "CA hat genug damit zu tun, seine Bestandskunden zu halten“.

Insgesamt versuche CA sich seit einiger Zeit mit der neuen Organisation und Ausrichtung ein freundlicheres Image zu geben, glaubt Burton. Aber trotz großer Anstrengungen und guter Technik in verschiedenen Bereichen habe sich die Firma noch nicht entscheidend genug verändert. "Vor zwei Jahren, als sie Unicenter so stark in den Mittelpunkt stellten, erschienen sie mir fokussierter als heute", gibt Burton abschließend zu Protokoll.

Am kommenden Freitag lesen Sie an dieser Stelle ein ausführliches Exklusiv-Interview, das die COMPUTERWOCHE auf der CA World 2001 mit Konzernchef Sanjay Kumar geführt hat.