CW-Kommentar

Byod - nicht so heiß, wie es gekocht wird

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Ein Gespenst geht um in Europa - es heißt Byod. Und es will die "Diktatur der IT" stürzen.
COMPUTERWOCHE-Redakteurin Karin Quack
COMPUTERWOCHE-Redakteurin Karin Quack
Foto: Karin Quack

Kein anderes Thema diskutieren CIOs derzeit so kontrovers wie "Bring your own Device", kurz Byod. Die Metaphern, die sie dabei benutzen, sind oft der Politikersprache entliehen. Da stehen auf der einen Seite die Verkünder der Demokratie, die der IT-Diktatur Einhalt gebieten wollen. Auf der anderen Seite befinden sich die, für die das auch unter dem Kürzel Byod bekannte Phänomen weniger einer Demokratie als einer Anarchie gleicht.

Ähnliche Argumente haben die Älteren von uns mindestens schon zweimal gehört. Zuerst in den 80er Jahren, als ein Betriebssystem namens Unix sich anschickte, in das Reich der IBM-Mainframes vorzudringen. Theoretisch lief es auf einer großen Zahl unterschiedlicher Rechner, leider stellte sich in der Praxis heraus, dass Unix nicht gleich Unix war, sondern Prozessor und Betriebssystem-Derivat wieder eine - wenn auch nicht mehr ganz so enge - Allianz eingingen.

Eine Dekade später wurde die Freiheitsdebatte neu entfacht. Nun ging es um das Thema Open Source. Software sollte nicht mehr von Anbieterunternehmen entwickelt werden, sondern von Entwickler-Communities - und kosten sollte sie auch nichts mehr. Wie die Sache ausging, wissen Sie: Die Anbieter dominierten die Communities, und die Lizenzkosten waren nie wirklich das Thema gewesen.

Vermutlich wird auch Byod nicht so heiß gegessen, wie es derzeit gekocht wird. Neben den Mitarbeitern, die begeistert ihre Subnotebooks, iPads und Android-Handys mitbringen, wird es auch solche geben, die mit dem Unternehmens-Equipment ganz gut klarkommen und den Support der IT-Abteilung zu schätzen wissen. Darüber hinaus dürfte wohl kaum ein CIO tatsächlich jedem Gerät den Zugriff auf die Unternehmenssysteme gestatten. Denn er zeichnet für Integration und Sicherheit verantwortlich. Auch eine Demokratie funktioniert ja nicht ohne ein paar Gesetze. Und bei "Bring your own Application" hört für die meisten IT-Chefs sowieso der Spaß auf.