Gartner

ByoD - Bring your own definition

Harald Weiss ist Fachjournalist in New York und Mitglied bei New York Reporters.
Viele IT-Themen sind von Schlagwörtern und euphorischen Statements überzogen. Die vielen Industrieanalysten wollen ihren Kunden Klarheit verschaffen. Doch um das zu erreichen, müssen auch sie zunächst den allgemeinen Trend-Aussagen folgen. Diese Vorgehensweise zeigte sich auf dem soeben zu Ende gegangenen Gartner-Symposium wieder einmal ganz deutlich.

Die Analysten von Gartner folgten beim diesjährigen Symposium dem seit Jahren bewährten Erfolgsrezept, wonach es allgemeine Buzzwörter und Hype-Themen aufgreift und den Teilnehmern dazu Rat und Hilfestellung verspricht. So ging es bei den rund 300 verschiedenen Präsentationen um das, was allgemein die IT-Diskussionen beherrscht: IoT, Algorithmen, die Digitalisierung vieler Branchen und Geschäftsmodelle, die IT-Sicherheit, die neuen IT-Plattformen, das Managen von kreativen Mitarbeitern und Teams sowie die zukünftige Rolle der IT-Chefs in den neuen Umgebungen. Natürlich gab es für keinen dieser Problem-Fälle eine allgemein anwendbare Wunder-Lösung - darf es ja auch nicht, denn dann kaufen die Firmen ja keine Beratungsleistung mehr ein.

Hype Cycle: Cloud Computing

Trotzdem ist es ist immer wieder interessant, zu hören, wie die Gartner-Analysten bestimmte Trends einschätzen und welchen Einflussfaktoren sie besondere Beachtung schenken. Nehmen wir als Beispiel Cloud-Computing. Ein Thema, das jahrelang auf den ersten Plätzen von Gartners Toppten-Liste zu finden war. In diesem Jahr gab es nur eine kleine Präsentation dazu in einem offenen Präsentationsforum, mitten im Ausstellungsbereich.

Inhaltlich ging es darum, wo sich die einzelnen Cloud-Segmente gegenwärtig auf der Hype-Kurve befinden. SaaS und Virtualisierung stehen kurz vor der finalen Normalisierung, Public Cloud Storage und Cloud-Testing haben den Tiefpunkt der Desillusion erreicht, Cloud Office und Cloud API stehen an der Hype-Spitze und zu den interessanten Neueinsteigern gehören unter anderen Container, IoT-Plattformen und Subtenancy.

Diese kleine Aufzählung macht deutlich, warum Cloud-Computing nicht mehr die Diskussionen beherrscht: Es gibt eine verwirrende Vielfalt an Angeboten, die sich alle irgendwie mit dem Cloud-Etikette schmücken wollen. Und so lieferte Gartner-Analyst David Smith auch gleich eine neue Definition von "ByoD" für Cloud-Computing. Statt "Bring Your Own Device meint er damit Bring Your Own Definition. "Wenn man vier IT-Chefs zum Thema Cloud befragt, bekommt man mindestens acht Antworten", war sein Kommentar über das Spektrum dieser Rechen- und Storage-Architektur.

Folglich sind auch die Markterhebungen mit Vorsicht zu genießen. Smith berichtete von einer Studie, wonach nur zehn Prozent der befragten CIOs sagen, dass sie die Cloud intensiv nutzen und innovative Projekte damit realisieren. Doppelt so viele, also 20 Prozent, meinen dagegen, dass sie die Cloud noch immer nicht verstanden haben und mit vielen Anfangsschwierigkeiten kämpfen. Die meisten, nämlich 40 Prozent, befinden sich in der Anfangsphase und versuchen für das weitere Vorgehen eine Strategie zu entwickeln. Smiths Ratschläge an die IT-Chefs hatte dann zum Schluss einen klaren Absicherungstipp: "Entwickle eine Exit-Strategie für veraltete Cloud-Dienste!"

IoT und Algorithmen

Da die Wolken vom Gartner-Radar verschwunden sind, konnten IoT und Algorithmen die frei werdenden Redezeiten und Räume füllen. Es gab praktisch keine große Präsentation, in der nicht die trendigen Beispiele, Zahlen und Argumente aus den Eröffnungsreden wiederholt wurden. Selbst bei einem Ausblick auf die zukünftige Software-Entwicklung gab es zunächst Hinweise auf die "brennenden IT-Probleme": IoT, digitales Marketing, Algorithmen-Business und Smart-Machines.

Doch wenn man diesen Vorspann hinter sich hatte gab es durchaus Interessantes. Beispielsweise ein Hinweis auf die Datenmengen, die IoT produziert. "Eine Boeing 787 produziert pro Flug etwa ein halbes Terabyte an Daten. Wenn man das mit der Zahl der täglichen Flüge und der Anzahl an 787-Maschinen multipliziert, ergeben sich astronomische Datenberge, die sicher gespeichert, verarbeitet und archiviert werden müssen - willkommen in der Welt von Huge Data", sagte Gartner-Analyst Ted Friedmann in seinem Vortrag über die Auswirkungen, die IoT auf die IT-Welt haben wird.

DevOps - der natürliche Sprengstoff-Kessel

Auch bei einem Vortrag über DevOps mussten die Zuhörer zunächst die "neuen IT-Herausforderungen" über sich ergehen lassen, bis die Analysten Nathan Wilson und George Spafford endlich auf das besondere Spannungsverhältnis von Entwicklern und Infrastruktur-Verantwortlichen eingingen. "Der Konflikt ist ein Naturgesetz. Entwickler sollen immer alles ganz schnell fertig haben und sind somit bereit Funktions- und Ablaufrisiken in Kauf zu nehmen.

Die Betreiber der Infrastruktur haben an oberste Priorität den stabilen Betreibsabluaf und warten mit Änderungen lieber zu lange, als dass Systemprobleme riskieren", gibt Spafford als Grund für die Konflikte an. Nach Meinung der beiden Analysten hängt der Erfolg von DevOps nicht von den Tools und Methoden ab, sondern zum allergrößten Teil von den beteiligten Personen. "Unsere Umfrage hat ergeben, dass 50 Prozent aller DevOps-Probleme auf die beteiligten Personen zuzuführen sind, Technologie-Probleme gibt es dagegen nur bei acht Prozent", lautet Wilsons Hinweis auf mögliche Lösungen. (sh)