Informatikstudium

"BWLer sehen zuerst immer die Kosten"

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Informatiker und Betriebswirte trennen manchmal Welten. Coburger Studenten zeigten in einem Praxisprojekt, wie beide Seiten voneinander profitieren können.

Man nehme einen fränkischen Polstermöbelhersteller, einen Zulieferer und 25 Studenten aus Informatik und Betriebswirtschaft. Diese Versuchsanordnung war für die Studenten der Fachhochschule Coburg anspruchsvoll: Zum einen mussten sie ein Konzept für einen papierlosen Wareneingang erstellen, zum anderen mussten sie unterschiedliche Sichtweisen überwinden und einen gemeinsamen Nenner finden.

640 Lieferscheine gingen bislang Monat für Monat bei der Firma Koinor in Michelau ein. Die Bearbeitung war aufwändig, die Studenten sollten eine papierlose Lösung entwickeln, die dem Polstermöbelhersteller wie auch seinem Zulieferer B+D Gestellbau GmbH Vorteile bringt. Um zu verstehen, wie der Wareneingang im Detail vor sich geht, informierten sich die Studenten im Projektverlauf immer wieder vor Ort beim Polstermöbelhersteller. Dabei begleiteten sie den Ablauf von der Bestellung bis zur Verarbeitung der angelieferten Materialien. Für ihre Recherchen zu den neuesten Technologien fuhren einige der Studierenden zur Münchner Computermesse Systems. Andere riefen Softwareanbieter an.

Informatiker achten nur auf Technik

Die Zusammenarbeit zwischen Informatik- und Betriebswirtschaftsstudenten, die die beiden Professoren Peter Rausch (Fakultät Wirtschaft) und Dieter Landes (Fakultät Informatik) initiiert hatten, war nicht immer einfach. So ist Markus Gäbelein, Informatikstudent an der FH Coburg, während des Praxisprojekts die Kostenfixierung der angehenden Betriebswirte aufgefallen: "Die BWLer sehen zuerst immer die Kosten. Vor allem die Anschaffungskosten. Teuer ist schlecht, günstig ist gut. Obwohl vielleicht die vergleichsweise teure Technologie in der Folgezeit mehr Geld einsparen könnte. Bei Informatikern stehen die technische Machbarkeit und die eingesetzten Technologien im Vordergrund." Das gemischte Team empfand er aber als Vorteil, da jeder die Möglichkeit hatte, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. "Wenn man die Chande hat, den BWLern über die Schulter zu schauen, versteht man ihre Sprache besser", sagte Gäbelein.

Wenn Informatiker auf Betriebswirte treffen, wie hier beim Studentenprojekt der FH Coburg, gibt es oft Missverständnisse.
Wenn Informatiker auf Betriebswirte treffen, wie hier beim Studentenprojekt der FH Coburg, gibt es oft Missverständnisse.
Foto: Hochschule Coburg

In den Augen von Betriebswirtschaftsstudentin Christina Beck haben sich die unterschiedlichen Sichtweisen der beiden Gruppen gut ergänzt: "Bei der Recherche nach den Möglichkeiten der Identifizierung von Waren haben wir uns eher darauf konzentriert, was ein Barcode-Scanner kann und welchen Preis man dafür bezahlen muss (Kosten/Nutzen). Für die technischen Anforderungen war es gut, jemanden fragen zu können, der einem sagen kann, was für Funktionen bei einem Barcode-Scanner gebraucht werden. Es haben sich Fragen aufgetan, auf die ich als BWLer nie gekommen wäre."