SAP-Projekte

Business Intelligence ist für Freiberufler ein gutes Geschäft

30.09.2015
Von 
Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Freiberufliche SAP-Experten mit HANA-Know-how sind die Gewinner im SAP-Arbeitsmarkt. Mit jeder Projekterfahrung steigern sie ihren Wert. Darum bestimmt nicht allein der Stundensatz die Attraktivität eines Auftrags.
  • HANA nach Anlaufschwierigkeiten nun auf dem Vormarsch
  • Klassische Spezialisten sind nach wie vor gefragt

Nach wie vor sind SAP-Freiberufler sehr gut ausgelastet. Freiberufler, die über HANA-Know-how verfügen, sind die absoluten Gewinner. "Ihre Projektquote ist richtig hoch", erklärt Oliver Wippich vom Personaldienstleister Hays. Weiterhin drehen sich aber auch viele Aufträge um die klassischen SAP-Module. Dazu komme der erstarkte Bereich Business Intelligence (BI). "Die direkt geschäftsbezogenen Komponenten werden immer relevanter", resümiert Wippich.

Oliver Wippich, Hays: "Die Projektquote von Freiberuflern mit HANA-Know-how ist richtig hoch."
Oliver Wippich, Hays: "Die Projektquote von Freiberuflern mit HANA-Know-how ist richtig hoch."
Foto: Hays

Den Auftraggebern rät der Hays-Manager zu aussagekräftigen Projektbeschreibungen. Zudem sollten sie sich klar werden, dass sich auch Freiberufler ihre Auftraggeber aussuchen. Laut Wippich steht für viele Freiberufler nicht nur das Honorar, sondern auch das Projektthema im Mittelpunkt. Sie fragen sich, was sie aus dem Projekt lernen können. "Die Erfahrungen sind das Brot und die Butter, von denen externe Spezialisten leben", so Wippich. Er unterscheidet zwischen den "Gewinnorientierten" und den "Investoren". HANA sei ein gutes Beispiel: Um sein Know-how auf dem Laufenden zu halten, müsse der Freiberufler eine Zeit lang aussetzen und sich weiterbilden. "Genau das tun viele", sagt der Hays-Manager. In der gleichen Zeit, in der Hays 20 Prozent mehr Anfragen für HANA-Projekte bekam, nahm die Zahl der Kandidaten mit HANA-Kenntnissen um 30 Prozent zu.

HANA spielt im SAP-Universum eine zentrale Rolle und wird auch für IT-Freiberufler immer wichtiger.
HANA spielt im SAP-Universum eine zentrale Rolle und wird auch für IT-Freiberufler immer wichtiger.
Foto: SAP AG Wolfram Scheible

Wachstumsmarkt Business Intelligence

Gunnar Schirp arbeitete in einem Anwenderunternehmen und später bei SAP, bevor er sich 2009 für die Freiberuflichkeit entschied. "Ich wollte Projekte freier auswählen und selbstbestimmt arbeiten", erklärt der Wirtschaftsinformatiker. Heute ist er als selbständiger Berater und Entwickler im SAP-Umfeld tätig und betreut unter anderem einen Energieversorger, bei dem er HANA einführt. Er freut sich, dass nach einer zweijährigen Anlaufphase die Firmen zunehmend HANA-Projekte ausschreiben.

Schirp sieht den SAP-Business-Intelligence-Sektor als "großen Wachstumsmarkt". Durch HANA würden neue Projekte möglich, die zuvor nicht hätten realisiert werden können: "Unternehmen werden mit HANA-Technologie immer stärker ihre Prozesse steuern und in Echtzeit analysieren, hier bieten sich für Freiberufler neue Chancen."

Allerdings nur, wenn sie sich "permanent auf dem Laufenden halten". Schirp teilt die Frei­berufler in zwei Gruppen: Die einen seien mit einfachen Entwicklungen oder Support beauftragt, die anderen brächten bei ihren Kunden das neueste Softwarewissen ein. Wissenshungrigen empfiehlt Schirp zur Weiterbildung die unternehmenseigene Online-Plattform openSAP. Business Intelligence erfordere auch betriebswirtschaftliches Wissen über Unternehmensprozesse: "Die Messlatte hängt in diesem Sektor sehr hoch." Notwendig seien gute Kommunikation mit den Kunden sowie oft der Schritt zur agilen Entwicklung: "Aus dem Entwickler wird der Berater oder Coach, der mit dem Fachbereich Lösungen in kleinen Schritten umsetzt und so Nutzen stiftet."

"Die Auftragslage für SAP-Berater ist nachhaltig positiv, sie stellt sich deutlich weniger zyklisch dar als in anderen Bereichen der Softwareentwicklung", sagt Jan Pein. Der Mathematiker ist seit mehr als zehn Jahren selbständiger Berater im SAP-Umfeld und hat an mehreren HANA-Einführungen mitgewirkt. Die Berater müssten fachlich top sein und zugleich sehr flexibel auf die Projekt- und Unternehmenskultur eingehen können. Gerade SAP-Berater aus dem BI-Umfeld hätten hier einen großen Vorzug: ihre Vielseitigkeit. Ein HANA-Projekt bedeute, auf der Grundlage einer noch jungen, sich agil weiterentwickelnden Technologie neue Lösungen produktiv zu machen: "Hier hilft es, wenn der Berater bereits Erfahrung in Migrationsprojekten vorweisen kann und auch die entsprechenden Soft Skills mitbringt."

Klassische Module bleiben wichtig

Gleichzeitig gebe es Projekte, in denen Auszubildende, Studenten und Praktikanten ohne jede einschlägige Erfahrung im Projektteam erfolgreich mitarbeiten könnten. "HANA ist nicht die Lösung aller Probleme", betont Pein, bis auf Weiteres werde "ganz sicher" auch der klassische SAP-Modul-Berater gefragt sein. Das SAP-Universum sei längst zu groß, als dass eine Person sich mit allen relevanten Technologien auskennen könne. Durch Firmenkäufe erweitere SAP laufend das Produktportfolio und verschiebe damit das Gleichgewicht noch weiter weg von der klassischen SAP-Welt mit Netweaver und ABAP.

Für die komplex verwobenen Module und Systeme (CRM, SRM, APO, BW etc.), für die hochspezifischen Industrielösungen und die neuen Technologien und Produkte (Business Objects etc.) brauche es nach wie vor Spezialisten. Pein erwartet, dass in Zukunft die Kunden bestimmen, wie viel sie für die Aufbereitung von Informationen ausgeben wollen: "Bei HANA werden wir einen Schneeballeffekt erleben. Je mehr Projekte im Marktumfeld bekannt werden, desto mehr neue Projekte beginnen. Selbst Kunden, die das Thema noch vor zwei Jahren zurückgestellt haben, werden nicht länger warten wollen." (hk)