Wenn Manager nicht abschalten können

Burnout im Urlaub

28.07.2012
Von Anja Dilk und Heike Littger

Zwang ist Gegenteil von Erholung

Manchmal sind aber auch wechselnde Phasen von Aktivität und Erholung ein funktionierendes Muster. "Was der Einzelne als entspannend erlebt, hängt von seiner Persönlichkeit und seinen Erfahrungen und Werten ab. Pauschale Vorstellungen, wonach man nur entspannen kann, wenn man wenig tut und kein Handy dabei hat, sind Unsinn. Es kann auch belastend sein, nicht erreichbar zu sein oder sich zu zwingen, zur Ruhe kommen zu müssen - Zwang ist das Gegenteil von Erholung", sagt Hilbert.

Selbst am Strand können einige IT-Manager nicht abschalten, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Das Smartphone bleibt an.
Selbst am Strand können einige IT-Manager nicht abschalten, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Das Smartphone bleibt an.
Foto: Dmitry Ersler - Fotolia.com

Berichte von einem Ausgebranntheitsgefühl im Urlaub analysiert Rolf Schneider pragmatisch. Sie sind für den Leiter der Neurologischen Klinik Aschaffenburg so etwas wie ein wertvolles Diagnoseinstrument. Wer drei Tage nach dem Bali-Trip schon wieder in den Seilen hängt, kann schwer die Augen davor verschließen, dass bei ihm etwas aus dem Ruder läuft. Daher rät Schneider seinen Patienten, die Ferien zu nutzen, um herauszufinden, wie es um sie steht.

Mit dem Laptop am Strand

"Pathogene Schieflagen treten im Urlaub besonders deutlich zutage", sagt Schneider. Der IT-Boss, der mit Laptop und Handy am Strand sitzt, Termine plant und Entscheidungen abnickt und nach dem Strand den nächsten Museumsgang auf die Tagesordnung setzt, stößt in den Ferien oft auf Widerstand. Plötzlich wird den anderen Familienmitgliedern deutlich, dass der Kneipenbummel, die stillen Stunden zu zweit, der unbeschwerte Nachmittag mit den Kindern illusorisch sind. Schneider: "Konflikte mit der Familie sollte man als Alarmsignal ernst und zum Anlass nehmen, sich sein Verhalten bewusst zu machen."

Sicher ist: Patentrezepte für einen erholsamen Urlaub gibt es nicht. Es gibt durchaus Manager, die sich am besten beim Himalaya-Trekking entspannen. Nach Einschätzung von Burnout-Fachmann Sprenger tut den meisten Vielarbeitern aber eine Besinnung auf das Einfache gut. Das heißt einerseits für den Körper angemessene Bewegung - "Spaziergang oder leichtes Jogging statt perverser Marathon-Einheiten" -, ausreichend Schlaf und ausgewogene Ernährung: regelmäßig, nicht zu üppig und wenig Alkohol. Andererseits Reflexion für den Geist: Wie geht es meiner Beziehung? Habe ich Zeit für Freunde und Verwandte? Schätze ich mich selbst wert - auch wenn ich nichts Außergewöhnliches leiste? Was sind meine Ziele, und warum verfolge ich sie? Habe ich Spaß an meiner Arbeit und am Leben? "Für viele ist zunächst nicht vorstellbar, dass es um nichts weniger als einen Paradigmenwechsel für das eigene Leben gehen könnte", sagt Sprenger. "Und eben nicht darum, sich mal eben schnell mit Wellness- und Beauty-Treatments wieder fit für die nächste Runde zu machen."