Public-ICT - E-Government

Nach Herkules-Verriss im Handelsblatt

Bundeswehr-IT verteidigt sich

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Das IT-Projekt bei der Bundeswehr heißt Herkules. Es ist eines der wenigen Public-Private-Partnership-Projekte (PPP), die es überhaupt noch gibt. Es ist teuer, und es dauert lange. Ein neuer Bericht an den Bundestag wirft scheinbar kein gutes Licht auf das Modernisierungsvorhaben. Oder sind Mehrkosten und längere Laufzeiten ganz normal - bei einer derartigen Mammutaufgabe?
Radarkontolle bei der Bundeswehr.
Radarkontolle bei der Bundeswehr.

Die Wirtschaftszeitung „Handelsblatt" wurde sehr deutlich: „Milliarden-IT Projekt ‚Herkules’ wird zum Debakel", schrieb sie. „Herkules kostet eine weitere Milliarde Euro" und „Desaster mangels Kontrolle". Schon seit dem Start von Herkules - und eigentlich auch bereits davor - begleiteten solche und ähnliche Schlagzeilen das Milliarden-IT-Projekt von Bundeswehr (49 Prozent), Siemens und IBM (zusammen 51 Prozent).

Die BWI Informationstechnik GmbH in Meckenheim, kurz BWI IT, ist seit 2006 die gemeinsame Gesellschaft die die völlig veraltete Informations- und Kommunikationstechnik der Bundeswehr endlich modernisieren soll. Das heißt: viele neue Glasfaserkabel, viele neue Telefone und viele neue Computer. Dazu kommt zusätzlich noch das SASPF-Projekt, mit dem betriebswirtschaftliche Software bei der Bundeswehr eingeführt wird.

Ursprünglich war Herkules bis Ende 2010 geplant, anfangs für eine Summe von 5,9 Milliarden Euro. Doch, wie das nun mal so ist und was jeder, der ein Haus baut, weiß: Die Kosten werden mit der Zeit höher, die Ansprüche steigen, manches muss neu bedacht werden, und an jeder Ecke lauern neue Überraschungen. Es kann aber natürlich auch sein, dass die Bauarbeiter schlampig oder überteuert arbeiten oder Architekt und Bauträger versuchen, einen übers Ohr zu hauen. Am Ende ist nichts richtig fertig, aber man ist viel Geld los, Lehrgeld.

Im aktuellen Fall bei Herkules ist es folgendermaßen: Das Projekt verzögert sich um voraussichtlich zwei Jahre und kostet mindestens 918 Millionen Euro mehr. Den zuständigen Ausschüssen des Bundestags liegt dazu aktuell der „Bericht an das Bundesministerium der Verteidigung nach § 88 Abs. 2 BHO über die Zielerreichung und Wirtschaftlichkeit im Projekt Herkules" des Bundesrechnungshofes vor. Darin geht es auch um die Ergebnisse des „zweiten Berichts des Bundesverteidigungsministeriums über die begleitende Evaluierung der Zielerreichung und Wirtschaftlichkeit des Kooperationsprojekts Herkules (Begleitende Erfolgskontrolle)".