Kritik von Entwicklern

Bundesregierung startet Datenportal

19.02.2013
Bei Behörden und Kommunen in Deutschland liegen Berge an digitalen Daten. Über eine neue Plattform sollen sie jetzt offen zugänglich gemacht werden. Doch Software-Entwickler kritisieren den Vorstoß als halbherzig.
Das Portal "Govdata" soll heute Abend live gehen.
Das Portal "Govdata" soll heute Abend live gehen.

Die Bundesregierung will den Zugang zu digitalen öffentlichen Daten stark erleichtern. Sie hofft auf eine Flut neuer Dienste, die den Alltag einfacher machen. In dem neuen Portal daten-deutschland.de werden ab voraussichtlich Dienstagabend Statistiken und andere Informationen von Behörden gebündelt. Auch Sicht von Software-Entwicklern, an die sich das Angebot richtet, gehen die Pläne allerdings nicht weit genug. Sie bemängeln unter anderem, dass die Bedingungen zur Datennutzung unklar seien.

Das Bundesinnenministerium kann sich auf Basis der Daten zum Beispiel Dienste vorstellen, mit denen man den nächsten Spielplatz oder kostenlosen WLAN-Hotspot findet. Die Daten könnten auch detaillierte Wahlergebnisse, die Auflistung des Stadthaushalts oder eine Übersicht über Fahrradwege sein. "Wir versprechen uns hier wirklich einen Sogeffekt", sagte die zuständige Abteilungsleiterin Beate Lohmann. Besonders ortsgebundene Daten, sogenannten Geodaten, interessierten viele Menschen. Zunächst stehen gut 1000 Datensätze zur Verfügung.

Das Bundesinnenministerium erhofft sich von dem Datenangebot auch wirtschaftliche Impluse. Zudem sollen weitere Behörden, Kommunen und Unternehmen angeregt werden, ihre Datenbestände Bürgern zugänglich zu machen. Personenbezogene Daten sollen grundsätzlich nur anonymisiert zur Verfügung gestellt werden.

Kritik kommt allerdings genau von denjenigen, die das Ministerium mit der neuen Plattform anlocken will. Die Bedingungen, zu denen die Daten weitergegeben werden, seien zu vage formuliert, kritisierten die Software-Entwickler in einem offenen Brief im Internet. So sei nicht ersichtlich, was sie mit den Datensätzen machen dürften. Die IT-Spezialisten fordern, dass Behördendaten grundsätzlich den Bürgern zur Verfügung stehen.

Die Entwickler lassen vor allem an der neu eingeführten "Datenlizenz Deutschland" kein gutes Haar. Sie sei schlecht gestaltet und hinke im internationalen Vergleich hinterher, sagte Daniel Dietrich von der Open Knowledge Foundation, die sich für freien Zugang zu digitalem Wissen einsetzt. Dabei setze die Bundesregierung mit ihrem Datenportal einen Standard für andere Verwaltungen. Städte oder Kommunen, die ihre eigenen Datensammlungen ins Internet stellen, würden die kritisierte Datenlizenz übernehmen.

Außerdem seien zu wenige interessante Datensätze unter den bisherigen Veröffentlichungen. Einblicke in Stadthaushalte, Fahrplandaten von Verkehrsunternehmen oder Informationen zu öffentlichen Ausschreibungen interessieren viele Menschen, glaubt Dietrich. Dann könnten Entwickler Programme erstellen, die anzeigen, ob der nächste Bus verspätet ist oder wo in der Nachbarschaft gebaut werden soll. Er wünscht sich ein deutlicheres Signal für offene Daten und dass die Bundesregierung sich an internationalen Standards orientiert. "Deutschland macht sich aktiv zum Schlusslicht", kritisiert er.

Das Innenministerium betont, das Projekt stehe erst am Anfang. Es sei nicht einfach, die Nutzungsbedingungen der vielen Kommunen, Ländern und Bundesländern abzustimmen. Bisher seien nur Datensätze aufgenommen worden, bei denen es klare Nutzungsvorschriften gebe, hieß es. Für die Weiterentwicklung hofft das Ministerium auch auf die Bürger. Wenn erstmal deutlich wird, welche Datensätze auf den Computern der Behörden schlummern, würden mehr Bürger nach den Informationen verlangen. (dpa/tc)

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