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Bundesregierung setzt auf Open Source - und IBM

03.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Einer Mitteilung des Bundesinnenministeriums zufolge unterzeichnen Innenminister Otto Schily (SPD) und Erwin Staudt, Deutschlandchef der IBM, heute einen Kooperationsvertrag. Dieser sehe vor, dass alle öffentlichen Verwaltungen in Deutschland künftig besonders günstig Software beschaffen können, die auf Open-Source-Software basiert, heißt es. Damit öffne sich die Verwaltung in Bund, Ländern und Gemeinden für quelloffene Systeme wie Linux. Die offizielle Ankündigung des Rahmenvertrages erfolgt auf einer Pressekonferenz um 10.30 Uhr.

Die Übereinkunft geht demnach auf eine Initiative Schilys zurück, der nach dem 11. September mit wichtigen Vertretern der IT-Industrie nach Möglichkeiten gesucht hatte, wie der öffentliche und private Sektor die IT-Infrastrukturen in Deutschland sicherer machen kann. Dazu seien die Vermeidung von Monokulturen im Softwarebereich - hier ist ganz offensichtlich Microsoft gemeint - und die Förderung von offener Software wichtige Schritte.

"Linux stellt gegenwärtig die beste mögliche Alternative zu Windows dar und ermöglicht damit größere Software-Heterogenität", zitiert das "Wall Street Journal" Minister Schily. Der Rahmenvertrag mit Big Blue ermöglicht dessen Bericht zufolge erhebliche Nachlässe beim Kauf von IBM-Hardware unter Linux. Finanzielle Details sind aber nicht bekannt. Auch die tatsächlichen Folgen sind noch nicht absehbar. Ein Insider geht aber davon aus, dass möglicherweise "Zehntausende Desktops und Tausende von Servern" ausgetauscht werden könnten. Staudt erhofft sich von der Übereinkunft unter anderem auch eine Förderung der hiesigen Softwareentwicklung, weil das auf der IBM-Hardware vorinstallierte Linux von der Nürnberger Suse Linux AG stammt.

Update: Inzwischen liegt auch die offizielle Pressemitteilung der IBM zur Unterzeichnung des Rahmenvertrages vor. Darin finden sich noch einige weitere Einzelheiten: Das Unternehmen will im Rahmen der Initiative unter anderem ein Open-Source-Portal ins Leben rufen, eine Beratungshotline einrichten sowie Testlizenzen zur Verfügung stellen. Ein so genanntes strategisches Kooperationsmanagement solle darüber hinaus dazu beitragen, innovative IT-Lösungen auf Basis offener Standards für die Bundesverwaltung zu entwickeln, heißt es. (tc)