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Bundeskartellamt unterbindet Kabelverkauf

26.02.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Wie erwartet hat das Bundeskartellamt am Montag dem US-Medienkonzern Liberty Media den Kauf von sechs Kabelnetzen der Deutschen Telekom untersagt. Die Wettbewerbshüter hatten kritisiert, dass mit der Übernahme von 60 Prozent des Telekom-Kabelnetzes, das sind 10,1 Millionen Anschlüsse, der Wettbewerb in diesem Segment zum Erliegen käme (Computerwoche online berichtete). Zu den geforderten Zugeständnissen wie der Öffnung der Kabelnetze für Internet und Breitbandtelefonie, um für mehr Wettbewerb auf der "Letzen Meile" zu sorgen, war Liberty-Chef John Malone nicht bereit.

Die Deutsche Telekom teilte mit, dass sie die Entscheidung des Bundeskartellamts bedauere. Sie halte den Verkauf der Kabelnetze für eindeutig wettbewerbsfördernd, da insbesondere auf Ortsnetzebene ein zusätzlicher Infrastrukturanbieter entstanden wäre. Auch führende Wettbewerbswissenschaftler hatten sich öffentlich für eine Genehmigung ausgesprochen.

Da es unwahrscheinlich ist, dass der Kauf durch eine Ministererlaubnis doch noch genehmigt wird, muss sich die Telekom nun nach einem anderen Interessenten für seine TV-Kabelnetze umsehen. Nachdem der Bonner Konzern zudem möglicherweise den Börsengang seiner Mobilfunktochter T-Mobile auf nächstes Jahr verschieben will (Computerwoche online berichtete), gerät der Plan, noch im Laufe des Jahres die Schuldenlast von 65 Milliarden auf 50 Milliarden Euro zu senken, stark ins Wanken. Liberty Media wollte 5,5 Milliarden Euro für die TV-Kabelnetze in Ostdeutschland, Bayern, Rheinland-Pfalz, Norddeutschland und Berlin zahlen, weitere rund zehn Milliarden Euro erhofften sich die Bonner aus der Going-Public der Mobilfunktochter. (mb)