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Bundesagentur für Arbeit feuert Projektleiter für den Virtuellen Arbeitsmarkt

26.02.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Vorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA) hat den Leiter des Projektes Virtueller Arbeitsmarkt (VAM) Jürgen Koch mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Grund für die Entlassung sind laut einer offiziellen Mitteilung der Behörde die Ergebnisse einer Risikoanalyse des Projektes. Demnach müssten die Kosten und die Funktionsfähigkeit des Projektes überprüft und angepasst werden. Der erst seit kurzem amtierende neue Vorstandsvorsitzende der BA Frank-Jürgen Wiese hatte angekündigt, alle Aufgabenbereiche der Agentur einer schonungslosen Bestandsaufnahme zu unterziehen. Die Entlassung Kochs sei ein erstes Ergebnis dieser Strategie.

Der für das Projekt VAM zuständige Vorstand Heinrich Alt hatte auf die Risiken der weiteren Kostenentwicklung aufmerksam gemacht. Demnach hätten neue Berechnungen ergeben, dass VAM bis 2008 rund 125 Millionen Euro kosten könnte. Dazu kämen weitere 40 Millionen Euro, weil das interne Netz der BA wegen des höheren Datenaufkommens erweitert werden müsse. Im Februar 2003 hatte Accenture den Zuschlag für das VAM-Projekt bekommen. Damals anvisierte Kosten: 65 Millionen Euro. Neben den gestiegenen Kosten müsse auch überprüft werden, ob Aufträge an der dafür zuständigen Vergabestelle vorbei vergeben wurden, heißt es von Seiten des BA-Vorstands.

Noch vor wenigen Wochen hatten die Verantwortlichen darauf beharrt, es gebe keine Kostenexplosion im Rahmen des VAM-Vorhabens. Die im Vertrag mit Accenture fixierten Leistungen würden zu dem vereinbarten Preis von rund 65 Millionen Euro erbracht. Allerdings hätten sich aufgrund der starken Resonanz auf das Angebot zusätzliche Anforderungen ergeben, die einen weiteren Finanzbedarf von rund 12 Millionen Euro nötig machten, hieß es in einer offiziellen Mitteilung der Agentur vom 11. Februar. Andere Erweiterungswünsche erforderten weitere 22 Millionen Euro, so dass sich ein Gesamtvolumen von knapp 100 Millionen Euro ergeben könnte, räumten die Verantwortlichen vor zwei Wochen ein. Jetzt scheint der Ausbau des Systems jedoch vom Tisch zu sein. Vorstand Weise erklärte, die geplanten Erweiterungsstufen des Virtuellen Arbeitsmarktes würden auf unbestimmte Zeit verschoben. (ba)