Buchprüfer entdecken IT-Beratung neu

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Für Prüfungsnahe und Strategische Consulting-Leistungen sind die "Big Four" gut aufgestellt.

Neben ihren Kernbereichen Auditing und Steuerberatung hatten die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in den neunziger Jahren das Geschäft mit der ERP-Beratung stark ausgebaut. "Die Nachfrage war damals wegen der bevorstehenden Jahr-2000-Umstellung und Euro-Einführung enorm", erinnert sich Jean-Christian Jung vom Marktforschungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC).

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  • warum die "Big Four" ihre Kompetenzen in den Bereichen prüfungsnahe Technologieberatung und IT-Strategien ausbauen;

  • inwiefern sie für diese Nische gut aufgestellt sind;

  • und in welcher Form die Kunden davon profitieren können.

Jean-Christian Jung, PAC: "Wer Prozessberatung im Finanzwesen anbietet, kommt an der IT nicht vorbei."
Jean-Christian Jung, PAC: "Wer Prozessberatung im Finanzwesen anbietet, kommt an der IT nicht vorbei."

Nach Abflauen des Booms gliederten Ernst & Young, KPMG und Pricewaterhouse-Coopers (PWC) ihre Consulting-Aktivitäten rund um die Einführung und Integration betriebswirtschaftlicher Software aus (siehe Kasten: "Trennung von Prüfung und Beratung"). Seitdem bieten sie vornehmlich strategische und prüfungsnahe Services an. Nur Deloitte hat die reine IT-Beratung beibehalten. Das Unternehmen erzielt heute rund zehn Prozent seines Gesamtumsatzes mit Systemintegration, SAP-Implementierung und Customizing.

Viel Wachstum ist hier allerdings nicht mehr zu erwarten: "Der Markt ist heute noch weniger lukrativ als damals, als die Buchprüfer ihre IT-Beratung verkauften", konstatiert Douglas Hayward, Analyst beim britischen Marktforschungsunternehmen Ovum. Hinzu kommt, dass die Big Four per Gesetz zur unabhängigen Prüfung der Wirtschaftsdaten ihrer Mandanten verpflichtet sind. Rechnungslegungssysteme dürfen sie daher nur bei Kunden einführen, die nicht gleichzeitig Prüfungsmandanten sind, was den Aktionsradius beträchtlich einschränkt.

Trennung von Prüfung und Beratung

Ende der neunziger Jahre sahen sich die "Big Five" zunehmend dem Vorwurf ausgesetzt, durch die gleichzeitige Ausübung von Wirtschaftsprüfung und Beratung ihre Unabhängigkeit zu gefährden. Als sich der Druck vor dem Hintergrund des Enron-Skandals verschärfte und sich ein Rückgang des Markts für Systemintegration abzeichnete, reagierten die Wirtschaftsprüfer:

  • Ernst & Young gliederte die IT-Beratung als rechtlich unabhängiges Unternehmen aus, das 2000 an Capgemini verkauft wurde.

  • KPMG trennte sich von seinem Geschäftsbereich KPMG Consulting, der heute unter Bearingpoint firmiert.

  • Pricewaterhouse-Coopers (PWC) spaltete sein Consulting-Geschäft ebenfalls ab. Es wurde 2002 von IBM übernommen und in deren Beratungseinheit BCS (Business Consulting Services) eingegliedert.

  • Bei Deloitte wurde das Management- und IT-Beratungsgeschäft lediglich formal - durch den Namenszusatz "Consulting" - von den übrigen Bereichen getrennt.

  • Andersen Consulting ging als Folge des Enron-Skandals 2001 an Ernst & Young und verschwand als eigenständige Marke. Aus den "Big Five" wurden die "Big Four".

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