Briten verschärfen Wettbewerb mit Marktführer AT&T

BT kündigt weltweiten Ausbau der Global Network Services an

08.05.1992

SAN JOSE/ESCHBORN (gh) - Die British Telecom (BT) hegt ehrgeizige Pläne in der internationalen Datenkommunikation und möchte zum größten Anbieter von TK- und Netzdiensten avancieren. Bis 1994 sollen die eigenen Global Network Services (GNS) vor allem in Europa nachhaltig ausgebaut werden. Als erster Anbieter wird der britische Carrier zudem ab dem Herbst Frame-Relay-Services auf seinen transatlantischen und innereuropäischen Verbindungen anbieten.

Nach vergangener Woche in den USA publik gewordenen, Einzelheiten eines Strategiepapiers will die in London ansässige PTT ihre weltweiten Global Network Services sukzessive von derzeit 24 angeschlossenen Ländern auf insgesamt 62 Staaten erweitern. Laut Angaben des Wirtschafts-Informationsdienstes "Business Wire" planen die BT-Verantwortlichen, allein in Europa 19 zusätzliche Länderknoten zu errichten, weitere acht im pazifischen Raum, sieben im mittleren Osten und fünf auf dem afrikanischen Kontinent. Mehr als die Hälfte Netzausbaus soll bereits Ende 1993 abgeschlossen sein.

Gleichzeitig wurde aus BT-Kreisen bestätigt, daß man die weltweiten GNS-Netzdienste für Übertragungsraten bis in den 2Mbit/s-Bereich aufrüsten und darüber hinaus als erster im Markt überregionale Frame-Relay-Services anbieten wolle. Ab dem Herbst sollen mit den neuen Features vor allem weltweit operierende Geschäftskunden bedient werden, die dann über transatlantische und innereuropäische BT-Links die jeweiligen LANs ihrer örtlichen Dependancen verbinden können.

Mit ihrem globalen Engagement verfolgen die Briten nach den Worten von Mark Baker, President und Chief Executive Officer von BT Nordamerika, das Ziel, "langfristig zum weltweit fahrenden Anbieter von TK- und Netz-Dienstleistungen zu werden". Angesichts des Abstandes zum Branchenprimus AT&T dürfte dies jedoch nach Ansicht vieler Experten ein mehr als ehrgeiziges Unterfangen darstellen.

Als Frühstart im Wettbewerb mit den Amerikanern wird von Beobachtern in diesem Zusammenhang denn auch die Ankündigung der Fraime-Relay-Services bewertet - dies vor allem, weil aufgrund der nach wie vor vorhandenen technischen Schwierigkeiten und der eben erst abgeschlossenen Standardisierung selbst Marktführer AT&T bisher mit einer großflächigen Einführung entsprechender Dienste zögere.

Nichts von derartigen Spekulationen hält hingegen Rolf Bastian, Manager Marketing Communications der British Telecom Deutschland GmbH. Der deutsche BT-Statthalter wies in einem Gespräch mit der COMPUTERWOCHE darauf hin, daß bereits erste Frame-Relay-Knoten im BT-Netz installiert wurden und der weltweite Ausbau planmäßig und zügig vorangehe. Mutmaßungen, daß man dem Konkurrenten AT&T hier um jeden Preis zuvorkommen wollte, seien jedoch völlig gegenstandslos.

"Es ist ja nichts Neues, daß BT bei dieser Technologie führend ist", machte der BT-Verantwortliche geltend, "wir orientieren uns ausschließlich an den Bedürfnissen des Marktes und nicht an dem, was ein Mitbewerber anbietet". Genauso wenig könne von gravierenden technischen Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Erprobung von Frame Relay die Rede sein. Was derzeit erfolge, sei lediglich "die Anpassung einzelner Bits an die verabschiedeten Standards".

Keinerlei Auswirkungen hat der Ausbau des GNS-Netzes laut Bastian auch auf das Dienstleistungsprofil der BT-Tochter Syncordia. Während die GNS-Dienste in erster Linie die Datenkommunikation und mit den neuen Frame-Relay-Services insbesondere den Bereich der LAN-Interconnection abdecken würden, nehme Syncordia mit seinem breitbandigen Hochgeschwindigkeitsnetz vor allem das Großkundengeschäft mit Mehrwertdiensten ins Visier.