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Brokat steht knapp vor der Insolvenz

12.11.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Schlechte Nachrichten aus Stuttgart: Der auf Finanzsoftware spezialisierte Hersteller Brokat teilte vor seiner heutigen außerplanmäßigen Hauptversammlung mit, das Unternehmen sei überschuldet. Dies habe man im Zuge einer Vermögensbewertung zur Restrukturierung einer hochverzinslichen Anleihe festgestellt. Man verhandele weiter intensiv mit den Gläubigern. Unternehmenssprecher Reiner Jung erklärte, Brokat habe noch keinen Insolvenzantrag gestellt. Die liquiden Mittel betrugen Ende des dritten Quartals 25,3 Millionen Euro (Vorjahr: 115,37 Millionen Euro); das Eigenkapital sank von knapp 822 Millionen auf minus 75,89 Millionen Euro. Bei einer Bilanzsumme von 74,61 Millionen Euro ergibt sich eine Eigenkapitalquote von minus 102 Prozent nach plus 80 Prozent im Vorjahr

Auf der heutigen Hauptversammlung sollen die Aktionäre des Unternehmen unter anderem über den Verkauf der Mobile-Business-Sparte abstimmen. Diese soll zusammen mit dem bereits verkauften US-Bereich Financial Applications rund 80 Millionen Euro in die Kassen spülen. Außerdem plant das Unternehmen eine neue Kapitalstruktur, in deren Rahmen das bisherige Grundkapital sowie die Zahl der Aktien zunächst auf ein Fünfzigstel reduziert und dann wieder aufgestockt werden soll. Dabei sollen unter anderem neue Inhaberaktien im Wert von knapp 15 Millionen Euro ausgegeben werden.

Wenig Hoffnung machen die aktuellen Quartalszahlen von Brokat. Für das abgeschlossene dritte Quartal melden die Stuttgarter einen Nettoverlust von 970,6 Millionen Euro nach minus 68,1 Millionen Euro im Berichtszeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig gingen die Einnahmen im Jahresvergleich von 59,5 auf 45,4 Millionen Euro zurück. Der operative EBIT-Fehlbetrag (vor Zinsen und Steuern) stieg von 18,3 auf 39,9 Millionen Euro. Die Aktie von Brokat, ohnehin nur noch ein so genannter Pennystock, gab am Vormittag um mehr als 20 Prozent auf 0,50 Euro nach. (tc)