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Britischer Großauftrag von EDS gefährdet

08.12.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Vertrauen in den Outsourcing-Riesen Electronic Data Systems (EDS) droht weiter zu bröckeln: Presseberichten zufolge könnte der texanische IT-Dienstleister nun einen vier bis fünf Milliarden Pfund (zirka 5,7 bis 7,1 Milliarden Euro) schweren Serviceauftrag für den Betrieb der britischen Steuer- und Sozialversicherungssysteme verlieren. Wie die "Financial Times" berichtete, empfiehlt der Verwaltungsrat der britischen Steuerbehörde, den Vertrag mit EDS und Accenture nicht zu verlängern. Statt dessen schlägt das Board vor, den Zuschlag dem französischen Konkurrenten Cap Gemini Ernst & Young zusammen mit Fujitsu zu erteilen, der die Aufgabe für die nächsten zehn Jahre mit Fujitsu übernehmen könnte.

Die Empfehlung folge einer Reihe gravierender Probleme beim Betrieb der Computersysteme, so das britischen Wirtschaftsblatt, diese seien allerdings nicht allein die Schuld von EDS und Accenture. Unter anderem musste der britische Rechnungshof im November dem Parlament mitteilen, dass aufgrund eines Systemfehlers in den vergangenen drei Jahren bis zu zwei Milliarden Pfund zu viel an Steuergutschriften ausgestellt wurden. Eine Entscheidung über den Deal soll laut Presseberichten noch in dieser Woche fallen.

Für den nach IBM zweitgrößten IT-Dienstleister, der seit mehr als einem Jahr unter rückläufigen Auftragseingängen leidet, wäre eine Absage der Briten ein weiterer Tiefschlag. Um den Auftrag nicht zu verlieren, schaltete EDS nun Anzeigen in Londoner Zeitungen. In diesen forderten die Texaner das Schatzamt auf, auf die Empfehlung der Steuerbehörde nicht einzugehen. Sie warnten dabei vor den unnötigen Risiken beim Wechsel zu einem anderen Dienstleister mit weniger Erfahrung.

Unterdessen gelang es EDS, mit der Fonterra Cooperative Group einen Outsourcing-Vertrag mit einem Volumen von 380 Millionen Dollar abzuschließen. Der Vertrag mit dem neuseeländischen Molkereikonzern hat eine Laufzeit von sieben Jahren und umfasst 327 Büros in weltweit 34 Ländern. Dort wird EDS künftig für alle IT-Prozesse von Fonterra verantwortlich sein, einschließlich der Betreuung der IT- und TK-Netze sowie der Wartung von Desktops und Notebooks. (mb)