Britischer Elektronikmarkt würde beherrscht:Veto aus London gegen GECPlessey

22.08.1986

LONDON (CW) - Die britische Regierung hat aus wettbewerbsrechtlichen Gründen den Zusammenschluß der Elektronikhersteller Plessey und General Electric Co. (GEC) untersagt. Die neue Gruppe hätte sowohl bei den öffentlichen als auch bei den privaten Vermittlungsanlagen eine marktbeherrschende Stellung auf der Insel gehabt.

Mit ihrem Kaufangebot in Höhe von 1,18 Milliarden Pfund (zirka 4,5 Milliarden Mark) war die britische GEC, die nicht identisch ist mit dem gleichnamigen US-Unternehmen, im vorigen Dezember bei Plessey nicht auf Gegenliebe gestoßen. Das GEC-Management hatte seinerzeit nach dem Scheitern von Verhandlungen über eine Zusammenarbeit bei öffentlichen Vermittlungsanlagen beschlossen, das ganze Unternehmen zu kaufen. Doch die Geschäftsführung der Plessey Co. wollten eigenständig bleiben. Jetzt hat die Monopolkommission der Regierung in London entschieden: Aus dem Zusammenschluß der beiden Elektronikriesen, die bei öffentlichen Vermittlungssystemen gemeinsam auf 80 Prozent und bei PABX-Anlagen auf 59 Prozent Marktanteil kommen, wird nichts.

Einigkeit herrscht zwischen der Regierung und den zwei Konzernen jedoch darüber, daß beide einen Partner brauchen, um auch im internationalen Telecom-Geschäft zu reüssieren. Doch es sollte eben kein Brite sein, sondern möglichst ein Mitbewerber vom europäischen Festland. Deshalb nehmen britische Branchenkenner an, daß die Verhandlungen der Plessey-Führungsspitze mit Managern der italienischen STET bald zu einem Ergebnis führen könnten. Von der staatseigenen STET ist bekannt, daß sie an einem Joint-venture oder einer Kooperation auf dem Telekommunikationssektor interessiert ist. Zu möglichen Beteiligungen eines der beiden Unternehmen an der neuen Eurotel-Gruppe lag bei Redaktionsschluß keine Nachricht aus London vor.