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Britische Regierung für BSkyB-Verkauf an Murdoch

03.03.2011
Die britische Regierung will dem US-amerikanischen Medienmogul Rupert Murdoch grünes Licht für die Übernahme des Fernsehkonzern British Sky Broadcasting (BSkyB) geben.
Medienmogul Rupert Murdoch (beim Launch der iPad-Zeitung "Daily")
Medienmogul Rupert Murdoch (beim Launch der iPad-Zeitung "Daily")
Foto: News-Corp-Video

Kultusminister Jeremy Hunt erklärte am Donnerstag, er plane, der vollständigen Übernahme der Senderfamilie durch Murdochs News Corporation zuzustimmen. Eine endgültige Entscheidung solle bis zum 21. März fallen. Zuvor hatte Murdoch angeboten, den Nachrichtensender Sky News von der britischen Sky-Gruppe abzuspalten. Murdoch, dem bereits mehrere britische Zeitungen gehören, will damit eine ausgedehnte Untersuchung der Übernahme durch die Wettbewerbsbehörde verhindern.

Der Medien- und Telekommunikationskonzern BSkyB erwirtschaftete im zweiten Halbjahr 2010 einen operativen Gewinn von 520 Millionen Pfund (602 Millionen Euro). Der Schwesternsender Sky Deutschland - früher Premiere - schreibt nach wie vor rote Zahlen und musste zuletzt erneut eine Geldspritze von seinem Großaktionär erhalten.

Murdoch kontrolliert bereits 39 Prozent von BSkyB und will die restlichen Anteile ebenfalls übernehmen. Die britische Medienaufsicht und die Regierung hatten bisher Bedenken, weil Murdoch mit der Zeitung "The Times", dem Boulevardblatt "The Sun" und dem sonntäglich erscheinenden Klatschblatt "News of the World" bereits mehrere britische Zeitungen herausgibt.

Am Mittwochabend hatte Murdoch einen Kompromiss vorgelegt: Sky News soll als eigenständiges Unternehmen mit eigenen Führungsgremien und der derzeitigen Eigentümerstruktur fortgeführt werden. News Corp verpflichtete sich, den defizitären Sender noch mindestens zehn Jahre finanziell zu unterstützen, die eigenen Anteile aber nicht auf mehr als 39 Prozent zu erhöhen. Der neue Sender darf außerdem mindestens sieben Jahre lang den Namen Sky News verwenden.

Hunt sieht mit dem Vorschlag alle Bedenken ausgeräumt: "Nicht ist kostbarer für mich als die freie und unabhängige Presse, für die dieses Land in aller Welt bekannt ist." Mit der Abgabe von Sky News zeige Murdoch, dass er nicht an der Herrschaft über die öffentliche Meinung interessiert sei.

Vertreter der britischen Medien sahen das ganz anders: "Diese Entscheidung ist eine schlechte Nachricht für die Demokratie und die Medienvielfalt", sagte ein Sprecher der Journalistengewerkschaft. Eine Allianz mehrerer Medienkonzerne kündigten an, den Deal energisch zu bekämpfen. Die Opposition schimpfte über die "schmutzige Abmachung". Mit der Genehmigung der Übernahme übergebe die Regierung Murdoch quasi das Medienmonopol, sagte ein Labour-Abgeordneter.

Ursprünglich hatte Murdoch den Eignern 700 Pence pro Aktie geboten. Inzwischen muss er sein Angebot wohl deutlich aufbessern: Der Kurs der BSkyB-Aktie stieg allein am Donnerstagmorgen um 2,75 Prozent auf nun 821 Pence. Insgesamt müsste Murdoch beim jetzigen Kurs etwa neun Milliarden Pfund für die restlichen Anteile zahlen. (dpa/tc)