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Britische Behörde prangert Microsofts Lizenzprogramme für Schulen an

12.01.2007
Eine Untersuchung hat ergeben, dass Microsofts Lizenzmodelle Erziehungseinrichtungen und Schulen langfristig binden und einengen sowie keinen signifikanten Mehrwert bieten.

Die "British Educational Communications and Technology Agency" (Becta) hat im vergangenen Jahr rund 400 Schuleinrichtungen über ihren Einsatz von Microsoft-Programmen befragt. Während sich weiterführende Schulen im Allgemeinen zufrieden über den Einsatz der Softwareprodukte Microsofts äußerten, deckte der Bericht im Bereich der Grundschulen Probleme auf. Microsoft versucht seit Jahren, seine Produkte zu speziellen Konditionen in Schulen und Universitäten zu positionieren. Sicher nicht uneigennützig: Machen die Schüler ihre ersten PC-Erfahrungen in der Microsoft-Welt, würden sie auch später mit den vertrauten Produkten des Softwarekonzerns arbeiten, könnte die Rechnung in den Vorstandsetagen Microsofts aussehen.

Die Lizenzmodelle seien aber zu komplex, kritisierten die Vertreter der Schulbehörde. Die Verantwortlichen in den Schulen täten sich schwer, die Bedingungen im Einzelnen zu durchschauen und zu verstehen. Die Folge sei, dass viele Einrichtungen nicht in der Lage seien, die Vorteile auszuschöpfen und letztendlich Verträge zu ihrem eigenen Nachteil abschlössen.

Darüber hinaus würden Microsofts "Subscription"-Modelle die Schulanwender langfristig binden. Wer einen solchen Abonnementvertrag in eine unbefristete Lizenznutzung umwandeln möchte, müsse mit hohen Wechselkosten rechnen. Den wenigsten Nutzern sei dieser Aufwand beim Abschluss der Verträge bekannt gewesen, so das Ergebnis der Untersuchung. 70 Prozent der Befragten gaben an, sie wüssten nicht, dass bei einer Umstellung des Vertrags weitere Kosten entstünden.

Außerdem schreibe Microsoft den Schulen vor, in welchem Umfang die eigenen Produkte zu nutzen seien. So richte sich der Lizenzbedarf grundsätzlich nach der Anzahl der Rechner. Für jeden PC müsse eine Lizenz angeschafft werden.

Die Becta-Verantwortlichen fordern Microsoft auf, diese Defizite abzubauen. Demnach sollte der Softwarekonzern seine Lizenzbedingungen vereinfachen und den Anwendern klar darlegen. Darüber hinaus verlangt die Behörde flexiblere Nutzungsbedingungen und ein Ende der Knebelverträge. Anwender in den Schulen sollten genau Vor- und Nachteile abwägen, bevor sie sich mit einem langfristigen Abonnementvertrag in die Abhängigkeit von dem Softwareanbieter begäben.

"Der Bericht deckt eine Reihe von Bereichen auf, in denen Microsoft seine Lizenzmodelle verbessern könnte", lautet das Fazit von Stephan Lucey, Executive Director von Becta. Die Behörde plant auf Basis der bisherigen Untersuchungen einen ausführlichen Bericht zu Microsofts Lizenzmodellen. Dieser soll bis spätestens Anfang kommenden Jahres vorliegen. Sofern Schulen keinen unmittelbaren Bedarf an zusätzlichen Lizenzen hätten, sollten diese auf den abschließenden Bericht warten, bevor sie weitere Microsoft-Produkte anschaffen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Becta Microsofts Lizenzprogramm für Schulen an den Pranger stellt. Bereits 2005 monierte die Behörde, es ließen sich zwischen 25 und 50 Prozent des Budgets einsparen. Zwar wurde Microsoft nicht namentlich genannt, die Verantwortlichen ließen jedoch durchblicken, dass sich die Einsparungen auf einem Verzicht auf Microsoft-Produkte basierten. Sie empfahlen einen verstärkten Einsatz von Open-Source-Produkten.

Die Microsoft-Verantwortlichen äußerten sich bislang zurückhaltend zu dem Bericht. Man stehe im Dialog mit der Behörde, sagte Steve Beswick, Microsoft-Director für den Bereich Education in Großbritannien, laut einem Bericht des Nachrichtendienstes "Computergram". Beswick betonte, dass Schulen und Universitäten verschiedene Optionen beim Einsatz von Microsoft-Produkten besäßen, räumte aber auch Defizite ein. Offenbar hätten einige Kunden nicht alles verstanden, meinte der Microsoft-Manager. Er versprach, gemeinsam mit den Partnern an der Kommunikation zu den einzelnen Lizenzmodellen zu feilen und mit den Schulbehörden und den Anwendern an den Kritikpunkten zu arbeiten.

Während sich Beswick in Sachen Lizenzmodelle gesprächsbereit zeigte, wies er einen weiteren Kritikpunkt der Becta zurück. Die Behörde hatte den Schulen empfohlen, vorerst nicht auf die neuen Microsoft-Produkte Vista und Office 2007 zu wechseln. Es gebe keine Features, die einen solchen Wechsel rechtfertigten, hieß es. Das sollte man den Usern überlassen, konterte der Microsoft-Manager. (ba)