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Briten werfen China IT-Spionage vor

03.12.2007
Britische Unternehmen sollen ihre IT-Sicherheit verstärken, um sich gegen chinesische Hackerangriffe zu wappnen.

Die Regierung in London hat China beschuldigt, mit Hackerangriffen die IT-Systeme von britischen Firmen knacken zu wollen, um vertrauliche Informationen abzuziehen. Nach einem Bericht der "Times" hat Jonathan Evans, Direktor des Geheimdienstes MI5, rund 300 Unternehmenslenker und hochrangige Manager in einem vertraulichen Brief gewarnt, sie stünden im Visier von staatlich gelenkten IT-Angriffen aus dem Reich der Mitte.

Wie der Brief weiter ausführt, stecken Staat und Wirtschaft allerdings in einem Dilemma. Einerseits müssten die wirtschaftlichen Beziehungen zu China, einem wichtigen Markt für britische Firmen, gepflegt werden. Anderseits dürfe man bei aller ökonomischen Notwendigkeit die damit verbundenen Risiken nicht aus dem Auge verlieren. Sicherheitsexperten zufolge arbeiten die chinesischen Hacker gerne mit Trojanern, um in Firmennetze einzudringen.

Es ist nicht das erste Mal, dass China Hackerangriffe vorgeworfen werden. Anfang September sollen Hacker aus dem Reich der Mitte in die Systeme des Pentagon eingedrungen sein (siehe auch: China hackt sich ins Pentagon). Die Cyber-Attacke sei nach monatelanger Sondierung möglicher Schwachstellen von der chinesischen Volksbefreiungsarmee ausgegangen, hieß es. Angeblich sei dabei sogar ein Teil des Computersystems von Verteidigungsminister Robert Gates zum Absturz gebracht worden. Die chinesische Regierung wies die Vorwürfe als grundlose Anschuldigung zurück (siehe auch: China weist Hacker-Bericht zurück). Hacker seien ein internationales Problem, verlautete aus Peking. China sei selbst Opfer dieser illegalen Aktivitäten.

Die Opferrolle gebührt den Chinesen indes nicht: Ende August berichtete der "Spiegel", dass zahlreiche Computer der Bundesregierung mit Trojanern aus China infiziert seien (siehe auch: Trojaner aus Peking? – Deutsche Regierungs-Computer im Visier und China-Trojaner: From Peking with Love). Neben dem Kanzleramt seien auch das Außen-, Wirtschafts- und Forschungsministerium Opfer dieser Attacken geworden, die bereits seit Mai dieses Jahres aus dem fernen Osten heranrollen. Fast täglich registriere man verseuchte elektronische Post aus China. Ministerpräsident Wen Jiabao sicherte daraufhin Bundeskanzlerin Angela Merkel daraufhin zu, die Cyber-Angriffe zu stoppen.

Die Chinesen sind laut einem Bericht der Sicherheitsexperten von McAfee jedoch nicht die einzigen, die das Internet zu Spionagezwecken missbrauchen (siehe auch: Staatlich finanzierte Cyber-Attacken auf dem Vormarsch). Rund 120 Länder – darunter auch die USA – sollen derzeit an Web-Spionage-Aktivitäten arbeiten. Im Visier stehen dabei die Finanzmärkte, kritische Infrastruktursysteme sowie die Netze fremder Regierungen. Cyber-Angriffe würden zunehmend anspruchsvoller, heißt es in dem Bericht. Aus der Sondierung des Gegners seien mittlerweile kapitalkräftige, gut organisierte Operationen für die politische, militärische, wirtschaftliche und technische Spionage geworden.

Erst im September war Estland nach eigenen Angaben einer breit angelegten Cyber-Attacke ausgeliefert (siehe auch: Cyber-Krieg in vollem Gange). Mehr als 20 Tage seien die IT-Systeme von Regierung und Banken mit Millionen sinnloser Anfragen bombardiert worden. Als Urheber verdächtigte der baltische Staat den Nachbarn Russland. "IT-Angriffe gehören zum Instrumentarium moderner ausländischer Dienste", sagte in diesem Zusammenhang der frühere BND-Chef August Hanning. "Als Industriestaat sind wir sehr verwundbar und sollten unsere IT-Strukturen schützen." (ba)