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Breitbandmarkt boomt - Zweifel an Triple Play

09.01.2007
Der Boom des deutschen Breitbandmarkts reißt nicht ab: Die Anbieter hier zu Lande rechnen durch die Bank mit einem kräftigen Nachfrageschub im laufenden Jahr.

"Das Wachstum bleibt ungebrochen", sagt Peer Knauer, Präsident des Branchenverbands Breko und Chef des Festnetzanbieters Versatel. Er erwartet wie die Vorstände von freenet.de und Arcor für das laufende Jahr bis zu vier Millionen neue DSL-Kunden. "Ich denke, dass wir zum Jahresende auf 17,5 Millionen Kunden kommen werden", sagt Arcor-Chef Harald Stöber. Zweifel haben die Manager indes am schnellen Erfolg so genannter Triple-Play-Angebote - also Bündelpaketen von Telefonie, Internet und Medieninhalten.

Die DSL-Anbieter verzeichneten bereits im vergangenen Jahr einen Nachfrageschub bei Breitbandanschlüssen. So wuchs die Kundenbasis nach Angaben der Bundesnetzagentur in den ersten neun Monaten um 2,5 Millionen auf 13 Millionen. Unangefochtener Marktführer bleibt die Telekom, die mit dem Ausbau des DSL-Bereichs den Rückgang im traditionellen Telefongeschäft ausgleichen will. Spekulationen über ein Ende des Breitbandbooms weisen die Unternehmen zurück. "Ich sehe kein Abflauen der Nachfrage. Immerhin stehen knapp 40 Millionen Telefonanschlüsse zur Verteilung an", sagt freenet-Chef Eckhard Spoerr. Er zielt damit auf die Schmalbandanschlüsse der Telekom.

Telekom-Chef René Obermann ist sich der Konkurrenz bewusst. "Es ist nicht realistisch anzunehmen, dass die Anschlussverluste im Festnetz kurzfristig zu stoppen sind", räumt er ein. Mit einer Serviceoffensive und dem neuen schnellen VDSL-Netz will Obermann den Druck auf die Konkurrenz erhöhen. Künftig will der Branchenprimus wieder mehr Kunden direkt unter Vertrag nehmen - und nicht mehr über Zwischenhändler wie United Internet.

Eine Grund für den Boom sind die drastisch gefallenen Tarife für Breitbandanschlüsse. Alleine im vergangenen Jahr sanken die Preise nach Angaben des Statistischen Bundesamts um 5,1 Prozent. Doch damit soll nun Schluss sein: "Die Preise haben ihren Boden gefunden", sagt Spoerr. Im Vordergrund stünden nun neue Dienste wie Fernsehen über das Internet. Die Telekom baut für die Triple-Play-Angebote eigens ein neues Hochgeschwindigkeitsnetz (VDSL) auf, das die störungsfreie Übertragung von TV-Bildern ermöglichen soll. Das neue Netz ist bis zu 50 Mal schneller als herkömmliche DSL-Anschlüsse.

Bis zum Jahresende will die Telekom über eine Million Kunden für ihr "T-Home"-Angebot unter Vertrag nehmen. Die Wettbewerber haben Zweifel am Erfolg: "VDSL wird eher 2008 als 2007 größeren Wettbewerbsdruck entwickeln", sagt Arcor-Chef Stöber. Grundsätzlich glaubt er aber an den Erfolg von Triple-Play-Angeboten. "Noch sind die Preise aber zu hoch."

Einher mit dem schnellen Wachstum der DSL-Anbieter geht eine Konsolidierung der Branche. "Die Spreu trennt sich vom Weizen", sagt ein Manager. Nach der Übernahme des Anschlussgeschäfts von AOL Deutschland durch HanseNet stünden nun weitere Zukäufe an. "Wir werden 2007 ein bis zwei größere Übernahme sehen", sagt Arcor-Vorstand Stöber. Zum Verkauf stehen Branchenkreisen zufolge unter anderem der Regionalanbieter NetCologne (Köln) und die Münchner M-net. (dpa/tc)