Gigantische Stromfresser

Brauchen wir eine dezentralere Cloud?

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Die Energieversorgung wird nicht zuletzt für Cloud-Anbieter mit ihren riesigen Rechenzentren immer mehr zum Problem.

Rechenzentren werden immer öfter da hingebaut, wo man billig Strom bekommt. Die NSA zum Beispiel hat ihr 1,5 Milliarden Dollar teures Utah Data Center mitten in die Wüste des Mormonenstaats gestellt. Dort fällt so gut wie kein Regen, und im Sommer wird es gern mal über 40 Grad heiß. Deswegen braucht das Utah Data Center leider auch so 6500 Tonnen Wasser. Am Tag. Hauptsächlich für Kühlungszwecke. Billiges Wasser (auch wenn das eine wertvolle Ressource ist) gehörte mit zum Standortvertrag - und die Stromrechnung für das NSA-Rechenzentrum dürfte bei mehr als 40 Millionen Dollar jährlich liegen, schreibt Alen Peacock von Spacemonkey in einem Gastbeitrag für "re/code".

Das Utah Data Center der NSA
Das Utah Data Center der NSA
Foto: Swilsonmc via Wikimedia Commons

Die Kühlung der vollgepackten Rechenzentren hat auch schon die Internet-Riesen Facebook und Google zu ungewöhnlichen Erfindungen getrieben - Facebook zum Beispiel hat ein europäisches Data Center nahe am Polarkreis errichtet und Google eines mit Meerwasserkühlung. Das sei zwar spannend, aber nicht wirklich umweltfreundlich so Peacock - Rechenzentren in der frostigen Wildnis erhöhten die Kosten für Gebäude, Transport und Personal. Und Data Center an der Küste seinen stärker durch Stürme und Fluten bedroht; Google habe für sein seewassergekühltes mehr als 600 Millionen Dollar vorab investieren müssen.

Bunte Kührohre in einem Rechenzentrum von Google
Bunte Kührohre in einem Rechenzentrum von Google
Foto: Google

Dass die Anbieter die Kosten und Mühen dennoch nicht scheuten, zeigt das wachsende Problem der Stromrechnungen - die Energiekosten folgen leider nicht dem Moore’schen Gesetz und werden immer geringer. Und weil Stromversorger für ein großes Rechenzentrum oft spezielle Infrastruktur einrichten müssen, zwingen sie die Kunden anschließend über längerfristige Verträge zu Mindestabnahmen.

Frischluftkühlung im Lulea Data Center von Facebook
Frischluftkühlung im Lulea Data Center von Facebook
Foto: Facebook

An der Energieeffizienz von Rechenzentren lasse sich gewiss noch allerhand verbessern, schreibt Peacock weiter. Letztlich aber sei das eigentlich nur ein Herumdoktern an Symptomen. Einen möglicher Ausweg aus dem Dilemma sei eine stärkere Dezentralisierung der Cloud - Geräte und Rechenressourcen könnten sehr wohl auch eher am Rand des Netzes liegen statt wie dieser Tage in wenigen zentralisierten Zentren. Neu sei diese Idee allerdings zwar nicht (schon die Gründerväter des Internet hatten Dezentralität als zentrale Design-Vorgabe gewählt), aber angesichts der täglich steigenden Umweltbelastung durch die Cloud gewinne sie neu an Bedeutung.