Plus drei neue Aquaris-Modelle

BQ bringt erstes Ubuntu-Smartphone an den Start

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Mit dem Aquaris E4.5 Ubuntu Edition will der spanische Hersteller BQ eine Alternative zu Android, iOS und Co bieten. Zunächst ist das knapp 170 Euro billige Smartphone aber eher ein Fall für Entwickler und Linux-Enthusiasten.

Bereits Anfang 2013 hatte Canonical Pläne vorgestellt, ein Smartphone mit dem auf Linux basierenden Betriebssystem herauszubringen. Zwei Jahre, eine gescheiterte Kickstarter-Initative und mehrere (Fehl)Versuche später ist es nun tatsächlich soweit: Mit dem Aquaris E4.5 Ubuntu Edition vom Hardware-Partner BQ geht tatsächlich das erste Multimedia-Gerät mit dem Linux-Derivat in den Handel.

Wobei man das mit dem Handel nicht zu eng sehen darf: Das 169 Euro teure Smartphone ist zunächst nur über Verkaufsaktionen auf der BQ-Website erhältlich, die Termine werden jeweils einen Tag zuvor über Twitter und Facebook-Seite von BQ und Ubuntu bekanntgegeben. Der Grund für die künstliche Verknappung, zuletzt bekannt vom OnePlus One, liegt weniger an der schwachen Nachfrage. Vielmehr sind dem spanischen Hersteller zufolge bei jedem dieser Flash-Sales bislang die Server in die Knie gegangen.

Ravin Dhalani, Chief Technology Officer und einer der Gründer von BQ, wies bei der Vorstellung des Geräts in München vielmehr darauf hin, dass das Aquaris E4.5 Ubuntu Edition zum aktuellen Zeitpunkt eher für Entwickler und weniger für Endanwender gedacht sei. "Be careful", warnte Dhalani, man müsse schon verstehen, was man da tue. Ubuntu Phone sei zwar zu hundert Prozent funktionsfähig und sicher stabiler wie die ersten Android-Versionen, aber eben auch noch nicht so ausgereift. Außerdem würden noch viele Apps fehlen. Der BQ-CTO empfiehlt Interessenten, das Gerät - wenn auch nicht als einziges Smartphone - auszuprobieren oder aber im Auge zu behalten. Nach einem halben Jahr und sechs Updates sehe die Sache schon besser aus.

Für Fans und Frickler

Wie bei einem Smartphone dieser Preisklasse nicht anders zu erwarten, ist das Aquaris E4.5 Ubuntu Edition hardwaretechnisch eher einfacher gestrickt. Das Gerät besitzt ein 4,5-Zoll großes IPS-Display mit einer Auflösung von 960 mal 540 Pixel und wird von einem Quadcore-Prozessor von Mediatek angetrieben, der mit bis zu 1,3 Gigahertz taktet. Der Arbeitsspeicher beträgt 1 GB, der eingebaute Flash-Speicher beläuft sich auf 8 GB, kann jedoch per Micro-SD-Karte erweitert werden. Auch die weiteren Spezifikationen entsprechen der Mitte 2014 vorgestellten Android-Version, die ebenfalls für 169 Euro (UVP) erhältlich ist.

Das klare Alleinstellungsmerkmal des Smartphones ist damit Ubuntu Phone/Touch, das bislang nur als ROM für einige Samsung-Galaxy oder Google-Nexus-Geräte verfügbar war. Das mobile Betriebssystem weist in der Tat ein paar Besonderheiten auf, die es von etablierten Systemen wie Android und iOS unterscheiden. So gibt es bei Ubuntu Phone nicht (nur) das übliche App-System, sondern die Scopes genannten Themensammlungen. Dabei handelt es sich um spezielle Seiten, in denen die Inhalte aus verschiedenen Anwendungen zusammenlaufen. Außerdem setzt Ubuntu Phone stark auf Gestensteuerung, das Gerät kann im Prinzip mit einer Hand bedient werden.

Ein weiterer Punkt, der das Konzept von Ubuntu Phone besonders für überwachungsgeplagte Deutsche und längerfristig womöglich auch für Geschäftskunden interessant macht, ist die umsetzbare Sicherheit. So ist das Betriebssystem zu 100 Prozent Open Source, außerdem ist Ubuntu selbst anders als Android, iOS oder Windows Phone nicht direkt mit einem Cloud-Service verbunden.

Im Aquaris E4.5 Ubuntu Edition (noch) nicht umgesetzt wurde indes das ursprüngliche Canonical-Konzept vom Ubuntu-Smartphone, das mit angeschlossenem Monitor und Keyboard zu einem vollwertigen Ubuntu-Desktop wird. Canonical arbeite an dem Thema, so BQ-CTO Dhalani, allerdings gebe es derzeit noch technische Probleme bei der Umsetzung. So seien etwa aktuelle ARM-Prozessoren zu schmalbrüstig und der RAM zu klein.

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