BPO: Die Banken zaudern

15.09.2005
Von Uwe Rainer
Mit dem Business Process Outsourcing (BPO) haben Banken ihre liebe Not. Einerseits zwingt der Kostendruck zum Handeln, andererseits fürchten sie Kontrollverlust und Abhängigkeit.

Hier lesen Sie ...

  • warum Banken beim Business Process Outsourcing zögern;

  • welche Varianten und Alternativen erprobt und diskutiert werden;

  • warum mit einer Verlagerung in Billiglohnländer zu rechnen ist.

Eine rückläufige Entwicklung bei der Auslagerung von Geschäftsprozessen stellte jüngst das Beratungshaus TPI in seinem quartalsweise veröffentlichten "Index Report" fest. Hat sich das BPO-Geschäft also erledigt, bevor es richtig starten konnte? "Mitnichten", meint Jürgen Schaaf, Senior Economist bei Deutsche Bank Research, dem Think Tank des Frankfurter Finanzinstituts. "Gerade Banken und Finanzdienstleister sind die Institutionen, die den BPO-Markt dominieren." Die derzeit noch zu hohe Fertigungstiefe der Banken, der Kostendruck sowie die Digitalisierung der Geschäftsabläufe zwinge die Banken, ihre Outsourcing-Aktivitäten zu verstärken, so Schaaf. Der scheinbare Einbruch bei der BPO-Nachfrage sei damit zu erklären, dass die Mega-Deals der Vergangenheit die Marktvolumina unverhältnismäßig aufgebläht hätten.

Hinter dem Business Process Outsourcing steht das Konzept, Geschäftsprozesse, die weder wettbewerbsdifferenzierend sind noch zur Kernkompetenz eines Unternehmens gehören, an einen externen Dienstleister zu vergeben. Aufgrund seiner Spezialisierung beherrscht dieser die Prozesse besser und kann aufgrund des zu verarbeitenden Volumens Skaleneffekte erzielen, also die Leistungen kostengünstiger erbringen. Unter den bankspezifischen Prozessen bieten sich dazu insbesondere der Zahlungsverkehr, die Wertpapier- abwicklung und die Kreditver- gabe an.

Dass der Branche eine Spe- zialisierung bevorsteht, die mit weiteren BPO-Deals einher- geht, wird von Marktbeobachtern und Firmenlenkern gleichermaßen erwartet. Das bestätigt auch die vom E-Finance Lab betriebene und veröffentlichte Studie "Kreditprozess-Management", deren Ergebnisse auf einer Befragung von 519 deutschen Banken beruhen. "Aber vorbereitet sind die wenigsten", beobachtet Tim Weitzel, Projektleiter beim E-Finance Lab in Frankfurt am Main. "Viele Manager glauben, ihre bankinternen Prozesse besser zu beherrschen als ein spezialisierter Dienstleister." Daher sehen sie keinen Anlass, ein Outsourcing-Szenario durchzurechnen. "Das vorherrschende Credo lautet: BPO, ja, aber bei uns ist alles anders", berichtet Weitzel.

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