Bosch-Chef Denner setzt auf Kooperation

Boschs IoT-Strategie der 3S

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Mit der Strategie der drei S - Sensoren, Software und Services - will Bosch sein Angebot an IoT-Lösungen und -Diensten weiter ausbauen. So hat das Unternehmen nach seiner IoT Suite nun eine Automotive Cloud Suite ins Leben gerufen.
Auf der Hausmesse Connected World zeigte Bosch seine IoT-Lösungen.
Auf der Hausmesse Connected World zeigte Bosch seine IoT-Lösungen.
Foto: Hill

Lichtmaschinen, Zündkerzen, Elektrowerkzeug - für diese und ähnliche Produkte ist die schwäbische Bosch-Gruppe mit der Robert Bosch GmbH und ihren rund 450 Tochter- und Regionalgesellschaften in der Öffentlichkeit bestens bekannt. Allerdings deckt sich diese Wahrnehmung nicht mehr unbedingt mit der Realität, denn die Bosch Gruppe zählt zu den deutschen Unternehmen, die sich erfolgreich den Herausforderungen der digitalen Transformation gestellt haben.

3S-Strategie: Sensoren, Software, Services

Sensoren sind ein zentraler Bestandteil der IoT-Strategie von Bosch.
Sensoren sind ein zentraler Bestandteil der IoT-Strategie von Bosch.
Foto: Hill

Innerhalb weniger Jahre hat sich die Gruppe zu einem der führenden Anbieter in Sachen Internet of Things (IoT) mit Lösungen für Smart Home, Smart City, Connected Mobility und Industrie 4.0 entwickelt. Hinzu kommt eine eigene IoT-Cloud, die das Unternehmen in die Lage versetzt, Connected Service zu betreiben und zu vermarkten. Strategisches Ziel der Bosch Gruppe sind mittlerweile Lösungen für das vernetzte Leben. Glaubt man dem Marktforschungsunternehmen Gartner werden bis 2020 alleine 250 Millionen Connected Cars auf den Straßen dieser Welt unterwegs sein. Um Lösungen für das vernetzte Leben zu entwickeln, setzt Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, auf eine 3S-Strategie: Sensoren, Software und Services.

KI für alle Produkte

Knapp 3.000 Besucher fanden zur Bosch Connected World 2017.
Knapp 3.000 Besucher fanden zur Bosch Connected World 2017.
Foto: Hill

Wie erfolgreich die Company bei der Umsetzung ihrer Strategie war, zeigt ein Blick auf das Produktportfolio: Bereits heute sind 50 Prozent der Produkte, wie es heißt, webenabled. 2020 soll diese Quote bei 100 Prozent liegen. Und Denner hat schon das nächste ehrgeizige Ziel vor Augen: "Schon in zehn Jahren sind Bosch-Produkte ohne Künstliche Intelligenz kaum mehr denkbar. Sie besitzen sie oder werden mit ihrer Hilfe hergestellt." Ein Ziel, das sich Bosch durchaus etwas kosten lässt. Bis 2021 will das Unternehmen 300 Millionen Euro in den Ausbau seiner KI-Kompetenz investieren. Und erst kürzlich ging das Bosch Center for Artifical Intelligence an den Start.

Roboter bereitet Zuckerwatte zu.
Roboter bereitet Zuckerwatte zu.
Foto: Hill

Wie wichtig das Thema KI für die Schwaben ist, unterstreicht ein anderes Beispiel. Gemeinsam mit Nvidia hat Bosch einen KI-Autocomputer entwickelt. Dahinter verbirgt sich die Erkenntnis, dass das Autonome Fahren zu komplex ist, um es in Softwareprogrammen abzubilden - das Fahrzeug muss also selbst lernen. Bosch-Chef Denner verdeutlicht das an einem Beispiel: Eine Kreuzung und der Abbiegevorgang eines vorausfahrenden Autos sind laut Denner für einen Computer eine komplizierte Verkehrssituation.

Zu kompliziert, um den Fahrweg eines automatisiert fahrenden Autos mit herkömmlichen Methoden zu programmieren. Künstliche Intelligenz - speziell deep learning - ermöglicht es dem Fahrzeug nicht nur, beispielsweise ein vorausfahrendes, blinkendes Auto zu erkennen, sondern dies auch als wahrscheinlich anstehenden Abbiegevorgang zu interpretieren und darauf zu reagieren - entweder durch bremsen oder durch umfahren. Ähnlich verhält es sich, so der Bosch-Chef weiter, bei ganz vielen anderen Verkehrssituationen auch.

Und die Datenmengen werden in den nächsten Jahren noch explodieren, wenn die Fahrzeuge vom teilautomatisierten Fahren zum vollautonomen Betrieb weiterentwickelt werden. Heute, so die Experten, entsprächen die verbauten Assistenzsysteme dem Automatisierungs-Level 2plus. Bei der nächsten Stufe, Level 3, heiße es dann Hands und eyes off, im Level 5 zusätzlich Mind off. Ganz auf den Fahrer kann dann im Level 5 beim vollautonomen Fahren verzichtet werden. Die Branche rechnet noch 2017 mit ersten L3-Fahrzeugen und bis Ende 2018 mit L4-Modellen. Bereits bei der nächsten Automatisierungsstufe L3 werde die 5fache Datenmenge anfallen. Im Level 4 steige das Volumen um das 50fache. Beim vollautonomen Fahren, also Level 5, seien im Auto dann 4.000 GB an Daten pro Tag zu verarbeiten.

Connected Services Car

Die Connected Services Car basieren auf der Automotive Cloud Suite.
Die Connected Services Car basieren auf der Automotive Cloud Suite.
Foto: Hill

Angesichts dieser Datenmengen ist man bei Bosch davon überzeugt, dass die Datenverarbeitung onboard erfolgen müsse, da selbst die Kapazität der neuen 5G-Netze nicht ausreiche. Zumal man die Übertragungskapazitäten gerne für andere Dinge nutzen will - die Connected Services Car. Hierzu hat Bosch mit der Automotive Cloud Suite eine neue Plattform für Mobilitätsdienste ins Leben gerufen.

Die Automotive Cloud Suite umfasst eine Software-Plattform sowie einen umfangreichen Baukasten, womit Fahrzeughersteller und andere Anbieter von Mobilitätsservices Dienste aller Art entwickeln können. Die Automotive Cloud Suite basiert auf der Bosch IoT Suite und ist als technologische Basis für Services und Dienste rund um vernetzte Autos gedacht. Dazu stellen die Schwaben in der Automotive Cloud Suite einzelne Software-Bausteine wie etwa ein digitales Fahrtenbuch oder Lösungen zur Umsetzung von Software-Updates zur Verfügung.

Fünf Services könnten bereits demnächst zur Verfügung stehen.
Fünf Services könnten bereits demnächst zur Verfügung stehen.
Foto: Hill

Allerdings realisiert Bosch über die Automotive Cloud Suite nicht nur Kunden-Services, sondern will die Plattform auch für eigene Dienste nutzen. Wo die Reise hingehen könnte, demonstrierte das Unternehmen auf der Connected World 2017 mit einem Jaguar F-Pace. Und dabei handelt es sich nicht um Zukunftsmusik. Glaubt man Dirk Hoheisel, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH, könnten folgende fünf Services bald in realen Alltagsfahrzeugen zu finden sein:

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