Geco-Index für Freiberufler

Boom-Pause oder Trendwende?

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Die aktuelle Entwicklung auf dem Freiberuflermarkt zeigt ein leicht getrübtes Bild. Das geht aus dem Geco-Index für das zweite Quartal hervor, der Stundensätze, Projektanfragen und -laufzeiten analysiert.

Der Index startete geschwächt in die ohnehin schwächere Ferienzeit. Mit 118 Punkten (Grundlage ist das Geschäftsjahr 2009, das die Basis 100 bildet) liegt der Wert um drei Punkte schwächer gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum, aber um immerhin 13 Punkte niedriger gegenüber dem Vorquartal. Für Geco-Vorstand Günter Hilger ist dieser Indikator noch kein Grund zur Panik: "Die IT-Freiberufler sind nach wie vor gut ausgelastet und es ist zu früh von einer Trendwende zu sprechen."

Die Berater-Stundensätze sind mit einem Wert von 115 gegenüber dem ersten Quartal dieses Jahres um zwei Punkte gesunken, aber immerhin liegt der Wert um 15 Punkte höher gegenüber dem Vorjahr.

Geco-Vorstand Günter Hilger untersucht den Freiberuflermarkt regelmäßig. Trotz eines schwächeren zweiten Quartals sind IT-Freiberufler gut ausgelastet.
Geco-Vorstand Günter Hilger untersucht den Freiberuflermarkt regelmäßig. Trotz eines schwächeren zweiten Quartals sind IT-Freiberufler gut ausgelastet.
Foto: Geco

Auch die Techniker-Stundensätze bewegen sich mit einem Wert von 105 (Vorjahr und Vorquartal jeweils 108 Punkte) auf einem "robusten und guten Niveau", wie es Hilger formuliert. Und er gibt zu, dass diese Berufsgruppe am Markt nach wie vor schwierig zu finden ist und der Recruiting-Aufwand dafür hoch sei.

Kürzere Projektlaufzeiten

Deutlich eingebrochen sind die Projektlaufzeiten. Mit einem Wert von 110 sind sie im Vergleich zum Vorjahresquartal um 18 Punkt, sprich um 14 Prozent, gefallen, gegenüber dem Vorquartal allerdings nur um zehn Punkte. Dieses spiegele die Unsicherheit am Markt wider, zeige aber auch für Hilger der Wunsch der Auftraggeber nach noch mehr Flexibilität.

Der Projektindex musste von allen Einzelwerten den deutlichsten Rückgang hinnehmen. Mit einem Wert von 73 liegt er um 21 Prozent unter dem Vorjahreswert und 15 Prozent unter dem Vorquartal. Das bedeutet, dass wesentlich mehr Angebote für Anfragen geschrieben werden müssen, um ein Projekt abzuschließen. Dieser Wert sei "normalerweise ein negativer Indikator für ein verändertes Marktumfeld", kommentiert der Geco-Chef. Allerdings wolle er angesichts der mehr als sonst existierenden Feier-, Brücken- und Ferientage, das Ergebnis nicht überbewerten.

Die Projektanfragen sind stabil und bewegen sich auf hohem Niveau, der Wert steigt gegenüber dem Vorjahr um sieben Punkte. Allerdings eignet sich der Wert "nur bedingt als Garant für ein gutes Marktumfeld", gibt Hilger zu bedenken. Viele Beratungshäuser bewerben sich oft auf identische Projekte und fragen dazu parallel die gleichen Positionen an. Dennoch sei von einem positiven Bild auszugehen "die Projekte sind ausreichend vorhanden", kommentiert der Geco-Mann.

Der Geco-Freiberufler-Index

...... ist ein Indikator für freiberufliche IT-Profis. Er wird quartalsweise von der Geco AG in Hamburg erhoben. Der Index vergleicht die einzelnen Quartale des aktuellen Geschäftsjahres mit den vergleichbaren Zeiträumen der vorangegangenen Jahre. Die Grundlage der neuen Berechnungen bildet das Geschäftsjahr 2009 (Basis = 100). Der Index setzt sich aus den fünf Werten Berater-, Technikerstundensatz, Projektlaufzeiten, Projektindex (gibt das Verhältnis von Projektanfragen zu realisierten Projekten an) und Projektanfragen zusammen.