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Bol.com verliert Eigenständigkeit

15.05.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Bertelsmanns Direct Group will den Online-Buchladen Bol.com mit der Offline-Buchclubsparte Clubs zusammenlegen, um Kosten zu sparen. Beide Einheiten schreiben zur Zeit rote Zahlen. Offiziell begründet der Konzern die Entscheidung jedoch mit Synergieeffekten. Immerhin könnten die Clubs von Bol.coms E-Commerce-Erfahrung und die Online-Buchhändler von der Direkt-Marketing-Expertise der Clubs profitieren. Klaus Eierhoff, Vorstand der Bertelsmann AG und Chief Executive Officer (CEO) der Direct Group Bertelsmann, hat vor allem den Ausbau von Spezialangeboten nach amerikanischem Vorbild vor Augen: "Wir werden unsere Unternehmen jetzt Schritt für Schritt zu umfassenden Community-Businesses weiterentwickeln."

In Deutschland, den Niederlanden, Schweden, Finnland und Großbritannien werden die Online-Buchläden als eigenständige Profitcenter in die lokalen Clubgeschäfte integriert. In China führte Bertelsmann diesen Schritt bereits im Dezember 2000 durch. Italiens Bol-Organisation wird vollständig mit Mondolibri zusammengelegt, die Schweiz wird von Deutschland aus mitgesteuert. Durch die Kombination des Online-Shops mit den Offline-Clubs werden einige internationale Standorte von Bol.com wie Dänemark und Norwegen jedoch geschlossen. Über die Zukunft von Bol in Frankreich und Japan führt Bertelsmann derzeit noch Gespräche mit den jeweiligen Partnern.

Bol.com wird Unternehmensangaben zufolge in diesem Jahr voraussichtlich einen Umsatz von 180 Millionen Mark generieren. Die Clubs sollen zirka 150 Millionen Mark einnehmen. Im Geschäftsjahr 2002 will die Direct Group die operative Gewinnschwelle überschreiten und einen zweistelligen positiven Millionenbetrag vorlegen.