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Trotz Rekordumsatz

Börsianer bestrafen Amazon.com für hohe Kosten

28.01.2011
Gut ist den Börsianern oft nicht gut genug.
Amazon-Chef Jeff Bezos
Amazon-Chef Jeff Bezos
Foto: Amazon

Der weltgrößte Onlinehändler Amazon.com ist von den Anlegern trotz eines Umsatzsprungs um 36 Prozent auf 13 Milliarden Dollar (9,5 Mrd Euro) im Schlussquartal heftig abgestraft worden. Die ohnehin gereizten Investoren hatten auf ein noch besseres Weihnachtsgeschäft gehofft und schickten die Aktie nachbörslich um neun Prozent in den Keller.

Amazon kann es seinen Anlegern derzeit nur schwer Recht machen. Um das Geschäft anzukurbeln, setzt der Konzern auf niedrige Preise, gibt viel Geld für Werbung aus und investiert kräftig in sein Liefersystem. Das aber nagt am Gewinn, was die Börsianer schon in den vorangegangenen Quartalen verärgerte.

Zum Jahresende verdiente Amazon 416 Millionen Dollar und damit eher dürftige acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im kommenden Quartal erwartet das Management um Gründer und Unternehmenschef Jeff Bezos sogar einen Gewinnrückgang, was die Stimmung an der Börse zusätzlich vergiftete.

Der Umsatz soll weiterhin deutlich zulegen. Das meiste Geschäft macht Amazon mittlerweile mit Elektronikartikeln, Mode und allem anderen, was in einem Kaufhaus zu finden ist. Zum Handelsimperium gehören neben dem Schuhverkäufer Zappos.com seit kurzem auch der Babyartikel-Spezialist diapers.com sowie die Online-Drogerie soap.com.Gedruckte Bücher, CDs und DVDs verlieren dagegen bei Amazon an Bedeutung. Was zulegt, sind die elektronischen Bücher.

Amazon verkauft inzwischen in den USA mehr e-Books für seinen Kindle als Taschenbücher.
Amazon verkauft inzwischen in den USA mehr e-Books für seinen Kindle als Taschenbücher.
Foto: Amazon.com

Man verkaufe seit Jahresbeginn mehr e-Books für das hauseigene Lesegerät Kindle als Taschenbücher ("Paperbacks"), schreibt Amazon - auf 100 Taschenbücher kämen mittlerweile 115 Kindle-Titel. Bei gebundenden Büchern ("Hardcover") liege das Verhältnis inzwischen gar bei eins zu drei. Das gelte für das gesamte US-Buchgeschäft und berücksichtige auch Bücher ohne Kindle-Version (kostenlose Kindle-Ausgaben, die das Verhältnis noch stärker Richtung e-Books getrieben hätte, wurden hingegen nicht eingerechnet).

Inzwischen will sogar der Suc hmaschinenprimus Google ein Stück vom Kuchen und eröffnete seinen eigenen Webshop namens "Google eBooks". Apple mischt in dem Geschäft mit seinem Tablet-Computer iPad mit. Und auch in Deutschland bringen sich die Verlage und Buchhändler mit eigenen Geräten und Vertriebsplattformen in Stellung. Den Kindle kann man zwar bei Amazon auch nach Deutschland bestellen, es gibt aber bisher praktisch keine deutschsprachigen e-Books dafür zu kaufen. (dpa/tc)