Börsenspots

27.07.1984

Dean Witter Reynolds betrachtet die Aktie von Motorola Inc. als stark "überverkauftt". Der beachtliche Kursverfall im Jahr 1984 wird im wesentlichen der Besorgnis der Anleger hinsichtlich der Fortdauer der Erholung in der Halbleiterindustrie und der Wachstumschancen bei Zelltelefonen zugeschrieben. Der Broker glaubt nach wie vor, daß Motorola von der weiteren Entwicklung im Bereich Zelltelefone profitieren wird, wenn diese auch nicht so stürmisch verlaufen dürfte, wie zunächst erwartet wurde. Anleger sollten daher die augenblickliche Kursschwäche nutzen und Positionen in diesem Titel aufbauen.

Positionen in der Aktie von Warner Communisations sollten nach Ansicht von Dean Witter Reynolds aufrechterhalten werden. Während längerfristig mit einer deutlichen Erholung gerechnet werden kann, dürfte sich der Titel auf Kürze sich bestenfalls durchschnittlich entwickeln, heißt es in einer Unternehmensanalyse. Die riesigen Verluste im Zusammenhang mit Atari gehören allerdings mit dem jüngst abgewickelten Verkauf dieses Unternehmensteils endgültig der Vergangenheit an. Der Broker rechnet damit, daß im Geschäftsjahr 1984 ein Gewinn von 0,75 Dollar je Aktie aus der laufenden Geschäftstätigkeit erzielt wird. Für 1985 geht man von einem Ergebnis von 1,50 Dollar aus.

Trotz des kräftigen Aufschlags, mit dem die Aktie von Telerate Inc. derzeit gegenüber dem gesamten Markt notiert, hält Dean Witter Reynolds angesichts der hervorragenden fundamentalen Faktoren eine noch weit höhere Bewertung für gerechtfertigt. Telerate betreibt ein automatisiertes Informationssystem, das Banken, Effektengesellschaften und sonstigen Finanzinstituten dynamisch aktualisierte Börsendaten liefert. Dean Witter bescheinigt dem Unternehmen eine hervorragende Wettbewerbsposition und eine beachtliche Ertragskraft. Das Gewinnwachstum in den nächsten fünf Jahren wird auf 40 Prozent jährlich veranschlagt. Risikofreudigen Anlegern die hauptsächlich an Kurssteigerungen interessiert sind, wird dieser Titel zum Kauf empfohlen.

Wenn man über eine große Portion an IBM-Aktien verfügt, ist man nach Meinung von Bache Securities im gegenwärtigen ungewissen Klima in Wall Street nicht schlecht beraten.

Die Entwicklung von NCR Corp. im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres fiel nach Ansicht von Merrill Lynch wenig befriedigend aus. Besonders der Umsatz und die Aufträge blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Dieses Abschneiden war deswegen so enttäuschend, weil einmal die Aufträge in den letzten beiden Quartalen 1983 ein sehr beachtliches Wachstum gezeigt hatten und man zum anderen erwartet hatte, daß die Produktpolitik des Unternehmens die Abhängigkeit von traditionellen Märkten verringern würde. Merrill Lynch hat infolgedessen auch seine Gewinnschätzung für 1984 von 3,25 auf 3,00 bis 3,15 Dollar je Aktie nach unten korrigiert. Der Buchwert und der Cash-flow je Aktie rechtfertigten zwar eine weiterhin positive Einschätzung, doch dürfte sich ein verstärktes Interesse von seiten institutioneller Anleger erst auf höhere Zuwachsraten bei Aufträgen und Umsätzen hin einstellen, heißt es bei Merrill Lynch.

"Sicherheit mit Garny" überschreibt die Norddeutsche Landesbank Girozentrale doppelsinnig eine Betrachtung der Garny-Aktie, die seit dem 10. Juli im geregelten deutschen Freiverkehr gehandelt wird. Die Garny AG ist der größte deutsche Anbieter unter anderem von elektronischen Sicherungsanlagen für Banken. Die Nord LB meint, daß dieses Papier angesichts des zu erwartenden kräftigen, wenig konjunkturabhängigen Wachstums und der günstigen Bilanzrelationen auch für konservative Anleger geeignet sei, zumal die hohe Dividendenrendite das Kursrisiko begrenze.

Die Kurschancen amerikanischer Elektronik-Aktien mit hohem Kurs/ Gewinn-Verhältnis beurteilt Merrill Lynch aus rein technischer Sicht sehr ungünstig.

Die Aussichten von Quotron Systems bis einschließlich 1986 werden vom Brokerhaus Prudential-Bache Securities positiv beurteilt. Umsatz- und Gewinnwachstum dürften in diesem Zeitraum bei 25 bis 30 Prozent im Jahr liegen. Kurzfristig scheint daher die Aktie im Vergleich zu ihren Wachstumschancen relativ niedrig bewertet zu sein. Prudential-Bache ist aber der Auffassung, daß insbesondere der Entwicklung des Unternehmens nach 1986 große Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Hier bestehen nämlich eine Reihe von Unsicherheitsfaktoren. Merrill Lynch, der größte Kunde von Quotron, hat mit IBM eine Tochtergesellschaft gegründet, die den bisher von Quotron geleisteten Finanzdatendienst übernehmen wird. Zudem ist die Konkurrenz besonders auf diesem Sektor stark gewachsen. Des weiteren begünstigten technische Änderungen jetzt Inhouse-Systeme. Für 1987 bis 1989 dürfte das Umsatzwachstum somit nur noch bei 10 Prozent im Jahr liegen. Infolgedessen erwartet Prudential-Bach sowohl kurz- als auch langfristig lediglich eine durchschnittliche Entwicklung der Aktie von Quotron.