CAx-Schnittstellen für Transfer ohne Datenverlust

BMW, Erdisa und GfS starten das Esprit-Projekt "Cadex"

19.01.1990

MÜNCHEN (CW) - Im Rahmen des Esprit-Programms der Europäischen Gemeinschaft wurde ein neues Forschungsprojekt ins Leben gerufen, "Cadex". Ziel ist es, standardisierte Interfaces für den Datenaustausch zwischen unterschiedlicher CAx-Software zu schaffen und damit doppelten Engineeringaktivitäten einen Riegel vorzuschieben.

Die Gründer des Projekts Cadex sind die auch am Esprit-Forschungsvorhaben "CAD*I" beteiligten Unternehmen BMW, Erdisa und die Aachener Gesellschaft für Strukturanalyse mbH (GfS). Der Teilnahme am neuen Programm der Europäischen Gemeinschaft haben sich obendrein die Siemens AG, Hewlett-Packard, Fiat, das CAD/CAM-Data-Excange-Technical-Center (Caddetc) aus England, FEX Fees, Isicon, Italcad, Norsk Data und Procad verschrieben. Norwegen ist vertreten mit dem Schiffsbauunternehmen Ditnorskeveritas, das auf den Bereich Finite Elemente Methoden (FEM) spezialisiert ist und dem Center for Industrie Forskening (FISI).

Das Ziel sind einheitliche Plattformen

Das Gesamtvolumen der Forschungs-Initiative Cadex beträgt -nach Angaben der GfS, der die Federführung des Projekts untersteht, vier Millionen European Currency Units (ECU). Die Laufzeit ist auf drei Jahre festgesetzt.

Das Bestreben der am Cadex-Projekt Beteiligten ist es, Computer-Aided-Design-(CAD), -Engineering-(CAE) und -Testing-Schnittstellen (CAT) zu kreieren und diese europaweit zu einheitlichen Standards zu machen. Basierend auf diesen einheitlichen Plattformen könnten alle mit grafischen Anwendungen, geometrischen und topologischen Informationen arbeitenden Anwender ihren kompletten Datenbestand in Programme anderer Hersteller übertragen.

Makros und Routinen problemlos übernommen

Ein weiterer Vorteil dieser Schnittstellen bestünde darin, bereits vorhandene Makros und Routinen ohne Zeit- und Datenverlust in beliebige CAx-Anwendungspakete zu übernehmen und diese dort weiterzuverwenden.

Zur Forschung im Rahmen des neuen Projekts wird erstmals in einer von der ISO koordinierten und überwachten Arbeitsgruppe das CAD-Interface "Step" eingesetzt. Nach Auskunft des GfS-Geschäftsführers Horst Heinrichs bietet diese Standard-Schnittstelle keinerlei Interpretationsmöglichkeiten. Mit ihr sei die Möglichkeit gegeben, einen Datentransfer durchzuführen, bei dem hundert Prozent der Informationen ausgetauscht werden. Die Definition der Interfaces, die es unter "Cadex" zu erarbeiten gilt, ist dank der Erfahrungen aus der Entwicklung von "Step" inzwischen relativ weit fortgeschritten, berichtet Heinrichs. Ein Manko, das es noch zu beheben gilt, seien die fehlenden Prozessoren.

Die im Rahmen des Forschungsvorhabens CAD*I gewonnenen Erfahrungen bei der Entwicklung der Schnittstelle zur Übertragung von kompletten 3D-Modellen zwischen CAD-, FEM- und Computer-Meßtechniksystemen dienen dem Team als Grundlage bei der Realisierung ihrer Pläne. Im Bund der "Cadex"-Vereinigung rechnet man aufgrund dieser Gegebenheit schnell zu Lösungen und entsprechenden Prozessoren zu kommen. Heinrichs sieht diese Forschungsarbeit auch als günstige Gelegenheit, auf eventuelle Schwächen des noch nicht vollkommen ausgereiften "Step"-Standards zu stoßen.

Zur Formulierung der Schnittstellen-Definitionen wird die rechnerorientierte Sprache "Express" verwendet. Heinrichs gibt sich zuversichtlich: "Mit dieser Sprache lassen sich sämtliche Schwierigkeiten, die bisher bei der Übertragung von 3D-Modellen in rechnergestützte Systeme anderer Hersteller entstanden, umgehen. Anwender von CAx-Software, insbesondere von CAD- und CAE-Systemen, haben in absehbarer Zeit die Möglichkeit, ihren Datenbestand aus den eigenen Entwicklungen für Analysen nutzbar zu machen, indem sie mit Step-Prozessoren die Daten transferieren."

Die ersten Pre-Releases der CAx-Schnittstellen sollen den Softwareanbietern für Testzwecke bereits Ende dieses Jahres angeboten werden. Bis zur Fertigstellung der endgültigen Version werden laut GfS jedoch noch mindestens zwei Jahre vergehen.