Fachkräftemangel

Blue Card soll IT-Profis anlocken

Alexandra Mesmer
Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 14 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie schreibt, redigiert, organisiert, moderiert und kümmert sich um die Online-Rubriken Karriere & Gehalt, Freiberufler, Young Professional und den Karriere-Ratgeber sowie den Karriere- und Freiberufler-Newsletter.
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Mit der "Blue Card" hat die Berliner Koalition die Zuwanderung von Facharbeitern und Akademikern aus dem Nicht-EU-Ausland neu geregelt und die Gehaltsschwelle für IT-Profis deutlich abgesenkt.

Wer im Jahr 2000 mit der Green Card nach Deutschland kam, musste noch eine mit 66 000 Euro dotierte Stelle vorweisen können, um eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Künftig müssen IT-Spezialisten und Ingenieure aus dem Nicht-EU-Ausland mit der vom Bundestag beschlossenen "Blue Card" nur 33 000 Euro im Jahr verdienen, um ein Aufenthaltsrecht für zunächst drei Jahre zu erhalten. Für andere Berufe, in denen nicht so hoher Fachkräftemangel herrscht, liegt die Mindestverdienstgrenze bei 44 000 Euro. Ein weiterer Vorteil für Arbeitgeber ist der Wegfall der Vorrangprüfung: Sie müssen nicht mehr nachweisen, dass kein passender Bewerber aus dem EU-Raum für die jeweilige Stelle verfügbar war.

Da der Bedarf an Ingenieuren und IT-Profis besonders hoch ist, gelten für Bewerber aus dem Nicht-EU-Ausland deutlich niedrigere Verdienstgerenzen.
Da der Bedarf an Ingenieuren und IT-Profis besonders hoch ist, gelten für Bewerber aus dem Nicht-EU-Ausland deutlich niedrigere Verdienstgerenzen.
Foto: Nerlich Images/Fotolia.de

Hat der Inhaber der Blue Card nach drei Jahren noch einen Job, wird ihm eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis für sich und seine Familie erteilt. Spricht er gut deutsch, bekommt er die Erlaubnis bereits nach zwei Jahren. Neu ist auch das so genannte Schnuppervisum: Ausländische Spezialisten können für ein halbes Jahr zur Jobsuche nach Deutschland kommen. Ausländische Studenten werden nach ihrem Abschluss an einer deutschen Hochschule künftig 18 statt bisher zwölf Monate bis zum ersten Jobantritt eingeräumt.

Heilmittel gegen Fachkräftemangel oder Einladung zum Lohndumping?

Bitkom-Präsident Dieter Kempf: "Deutschland wird für Zuwanderer attraktiver."
Bitkom-Präsident Dieter Kempf: "Deutschland wird für Zuwanderer attraktiver."
Foto: DATEV

Das Echo auf die Blue Card ist zweigeteilt. Der Branchenverband Bitkom, der schon seit langem für niedrigere Verdienstgrenzen plädiert, sieht in dem Beschluss des Bundestages einen "echten Durchbruch im Kampf gegen den Fachkräftemangel", so Bitkom-Präsident Professor Dieter Kempf. "Insgesamt stellt sich Deutschland mit den neuen Regelungen im Wettbewerb der Hightech-Länder erheblich attraktiver für potenzielle Zuwanderer auf als bisher." So sei positiv, dass Ehepartner der Experten künftig bei der Einreise noch keine deutschen Sprachkenntnisse nachweisen müssen.

Die Gewerkschaften indes kritisieren die neuen Einkommensgrenzen als Einladung zum Lohndumping. Zum Vergleich: Ein deutscher Hochschulabsolvent, der in die IT einsteigt, kann heute mit einem Anfangsgehalt von durchschnittlich 42.000 Euro rechnen, erfahrene Softwareentwickler liegen bei etwa 60.000 Euro im Jahr. Überraschende Kritik kam auch aus den Reihen der CSU, in Person der bayerischen Arbeitsministerin Christine Haderthauer: "Solange wir die Potenziale von Frauen, älteren Arbeitnehmern und den bei uns lebenden Menschen mit Migrationshintergrund weiter so wenig nutzen, setzen wir mit mehr Zuwanderung die falschen Signale. Solange uns gut ausgebildete Migranten frustriert den Rücken kehren, ist der Ruf nach ,frischen’ ausländischen Fachkräften zynisch", schrieb sie in der Bild am Sonntag.

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