Forrester über SOA

Bloß ein Missverständnis …

Dr. Andreas Schaffry ist freiberuflicher IT-Fachjournalist und von 2006 bis 2015 für die CIO.de-Redaktion tätig. Die inhaltlichen Schwerpunkte seiner Berichterstattung liegen in den Bereichen ERP, Business Intelligence, CRM und SCM mit Schwerpunkt auf SAP und in der Darstellung aktueller IT-Trends wie SaaS, Cloud Computing oder Enterprise Mobility. Er schreibt insbesondere über die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen IT und Business und die damit verbundenen Transformationsprozesse in Unternehmen.
Anzeige  Laut einer aktuellen Analyse des Marktforschers Forrester ist SOA wichtig für eine moderne IT-Architektur. Allerdings haben eine Reihe Irrümer Kritiker auf den Plan gerufen: Herangehensweise zu technologisch, Wiederverwertbarkeit von Services überschätzt, fertige Lösung erwartet sind nur drei der üblichen Fehler.

Das Konzept einer Service-orientierte Architektur (SOA) spaltet Analysten bisher in zwei Lager. Entweder wird SOA für tot erklärt, wie Anfang des Jahres von Burton-Group-Analystin Anne Thomas Manes, oder für quicklebendig. Diese Auffassung wird beispielsweise von IDC-Analyst Rüdiger Spies sowie dem IT-Berater Wolfgang Martin vertreten.

Randy Heffner, Analyst beim US-Marktforscher Forrester, beschreitet in einer aktuellen Untersuchung mit dem Titel "SOA Is Far From Dead - But It Should Be Buried" einen dritten Weg. SOA ist demnach keineswegs tot wie eine Befragung von IT-Entscheidern in Europa und Nordamerika ergab. Bis Ende 2009 wollen drei Viertel eine SOA umgesetzt haben und 60 Prozent ihre vorhandenen Service-orientierten Architekturen weiter ausbauen und intensiver nutzen.

Doch das SOA-Konzept ist lediglich Teil einer umfassenden Vision für Software-Architekturen. Diese muss künftig auch Technologien wie Business Process Management (BPM), ereignisorientierte Verarbeitung (Event Processing) und Web 2.0 mit einschließen.

Irrtümer verantwortlich für schlechten Ruf

Nach Ansicht des Analysten leiden Service-orientierte Architekturen zudem fälschlicherweise unter einem "schlechten Ruf". Dazu haben unter anderem irreführende Auffassungen - zu teuer, zu komplex, zu schwerfällig - sowie fehlgeleitete IT-Strategien beigetragen.

Die häufigsten Irrtümer sind: Die Beschäftigung mit SOA findet nur aus Technologie-Sicht statt, die sich an einzelnen Software-Objekten und -Komponenten orientiert. Auch der Aspekt Wiederverwendung wird überschätzt. Zudem wird SOA als Bibliothek für Services betrachtet und nicht als Portfolio von Services. Ein weiterer Fehler ist, in Service-basierten Architekturen eine fertige Lösung für bisherige IT-Probleme zu sehen anstatt einen Lösungsansatz.

Um diese Irrtümer und Fehler zu vermeiden, ist eine korrekte Sicht auf SOA notwendig. Eine Service-basierte Architektur müsse als Business-Design-Konzept verstanden werden, bei dem Geschäfts- und Technologie-Aspekte gleichzeitig betrachtet werden. Durch ein kohärentes Management des vorhandenen Service-Portfolios kann die Wiederverwendung einzelner Service- und Software-Bausteine verbessert werden. Darüber hinaus sollten sich Firmen mittels strategischer und taktischer Investitionen einer SOA annähern.