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Blockchain-Revolution 2017?

Dr. Thomas Kaltofen ist Diplom-Chemiker und promovierte mit einem biophysikalischen Thema an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Nach seinem Studium beschäftigte er sich intensiv mit Datenbanken und C#-Programmierung.Neben einen Forschungsaufenthalt an der Chalmers Universität Göteborg beschäftigte er sich intensiv mit Datenbanken und C#-Programmierung. Dr. Kaltofen ist freiberuflicher Experte für Blockchain-Anwendungen in der Chemie- und Pharmabranche.
Die Blockchain-Technologie sorgt branchenübergreifend für Furore. Und Fragezeichen. Wir bringen Sie auf den Stand der Dinge.

Die Blockchain ist eine unveränderbare, hochverfügbare und dezentrale Datenbank, in der alle Informationen revisionssicher sind und via Verschlüsselung vor fremden Zugriff abgeschirmt werden können. Wichtige Anwendungen sind intelligenten Verträge (Smart Contracts), die Nachverfolgung von Gütern, das Rechtemanagement und Produkte im Finanz- und Bankensektor.

Kommt 2017 die Blockchain-Revolution?
Kommt 2017 die Blockchain-Revolution?
Foto: GrandeDuc - vivat - shutterstock.com

Definition: Das ist die Blockchain

Die Blockchain ist eine neuartige Technik zum Speichern von Daten und erlaubt das sichere Management von Informationen jeglicher Art. Ihren Ursprung hat die Blockchain in der Internetwährung Bitcoin, bei der Geldwerte ohne eine zentrale Instanz, also eine Bank, überwiesen werden.

Elementare Grundeinheiten der Blockchain sind die Transaktionen. Dabei tauschen zwei Parteien Informationen miteinander aus. Anschließend werden die Daten verifiziert und validiert, wobei geprüft wird, ob eine Partei die entsprechenden Rechte für diese Transaktionen besitzt. Darauf folgt das Mining (deutsch: schürfen) wobei nach einer bestimmten Zeit die Transaktionen zu Blöcken zusammengefasst werden und darüber ein Hash-Wert gebildet wird. Danach werden die Blöcke an die Kette angehangen und über ein Peer-to-Peer Netzwerk verteilt.

Diese Vorteile bringt Blockchain

Eine Blockchain ist eine Datenbank mit zwei elementaren Eigenschaften: Zum einen ist sie aufgrund eines sehr aufwändigen Verschlüsselungsverfahrens, der sogenannten Hash-Funktion, manipulationssicher. Zum anderen sind sehr viele Kopien der Datenbank in einem Netzwerk verteilt, bei dem 51 Prozent aller Instanzen geändert werden müssten, um erfolgreich einen Datenbankeintrag zu fälschen. Mit der heutigen Technik müssten dadurch Milliardensummen investiert werden, um nur einen einzigen Eintrag in der Blockchain zu manipulieren. Das wäre komplett unwirtschaftlich und führt letztendlich zu der hohen Manipulationssicherheit der Blockchain.

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Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist die dezentrale Natur der Blockchain: Fällt bei einer klassischen Datenbank der Server aus, so kann diese nicht mehr genutzt werden. Falls ein Teil der Knoten der Blockchain ausfällt, so können die übrigen teilnehmenden Knoten weiter genutzt werden.

Vorteilhaft ist weiterhin, dass die Blockchain ohne große Infrastruktur auskommt. So werden auch in Entwicklungsländern Bankgeschäfte getätigt, ohne dass eine Bank als zentrale Instanz existieren muss. Auch eine Art Grundbuch und Geburtenregister - was es nicht in allen Ländern gibt - kann über eine Blockchain abgebildet werden.

Versicherungs-Riesen mit Blockchain-Initiative

Die fünf Versicherungskonzerne Aegon, Allianz, Munich Re, Swiss Re und Zurich haben eine gemeinsame Initiative für Blockchain-Technik gegründet. Das Projekt mit dem Namen B3i (Blockchain Insurance Industry Initiative) soll ausloten, wie die verteilten Datenbanken Versicherungen effizienter machen können. Ein erstes Pilotprojekt der Partner soll prüfen, ob sich Geschäftsprozesse der Versicherungen über die neue Technologie abbilden und verwalten lassen.

Die Blockchain-Technik reduziert den Aufwand für die Dokumentation und Verwaltung von Versicherungsverträgen beträchtlich, ferner werden Informations- und Geldflüsse beschleunigt. Derzeit gibt es allerdings weder verbindliche Branchenstandards noch ein rechtliches Rahmenwerk für diese verteilten Kassenbücher.

Auf eigene Faust hatte die Allianz vor einigen Monaten bereits den Handel sogenannter "Katastrophen-Anleihen" auf Blockchain-Basis erprobt. Handelsabwicklung und Verwaltung dieser Wertpapiere ließen sich so erheblich vereinfachen und beschleunigen, hieß es. Besonders die Möglichkeit, Finanzprodukte als in einer Blockchain hinterlegten Programmcode ("Smart Contract") zu automatisieren, scheint den Versicherer begeistert zu haben.