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Niederländisches Startup

Blendle will Einzelkauf von Zeitungsartikeln etablieren

09.06.2015
Viele Medien haben die Erfahrung gemacht, dass es schwer ist, Leute zum Bezahlen für Inhalte im Internet zu bringen. Das niederländische Startup Blendle setzt darauf, dass die Nutzer gern kleinere Beträge für Artikel losschlagen, wenn man es ihnen nur einfach macht.

Der niederländische Online-Dienst Blendle, bei dem man einzelne Artikel aus Zeitungen und Magazinen kaufen kann, kommt nach Deutschland. Zum Start sind 37 Medien dabei. Dazu gehören die "Süddeutsche Zeitung", "Die Welt", die "Bild", "Die Zeit" sowie "Der Spiegel" und "Stern", wie Blendle am Dienstag bekanntgab.

Marten Blankesteijn, Mitgründer und Chef von Blendle
Marten Blankesteijn, Mitgründer und Chef von Blendle
Foto: Blendle / Leonard Fäustle

"Wir glauben, dass Menschen grundsätzlich durchaus bereit sind, kleinere Beträge für Inhalte im Netz zu bezahlen, wenn man es ihnen einfach macht", sagte Mitgründer und Chef Marten Blankesteijn der Deutschen Presse-Agentur. Das habe sich etwa auch bei den Song-Downloads auf Apples iTunes-Plattform gezeigt.

Blendle war im Frühjahr 2014 in den Niederlanden gestartet und gewann dort bisher über 300.000 Nutzer. Sie kauften im Schnitt zehn bis 15 Artikel pro Monat, sagte Blankesteijn. Etwa zwei Drittel der Kunden seien im Alter unter 35 Jahren. Das ist eine Zielgruppe, die für Printmedien schwieriger zu erreichen ist.

Das Blendle-Team zum Start in den Niederlanden
Das Blendle-Team zum Start in den Niederlanden
Foto: Blendle / Leonard Fäustle

Nutzer können bei Blendle Ausgaben der Medien Seite für Seite durchblättern, lesbar sind dabei allerdings nur die Überschriften. Will man den gesamten Artikel lesen, muss man zahlen. Der Preis wird von den Verlegern selbst festgelegt und wird meist nach Länge gestaffelt. So will etwa die "New York Times" 19 Cent pro Artikel und der "Economist" 79 Cent für längere Texte.

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War man mit einem Artikel unzufrieden, bekommt man das Geld zurück, wie Blankesteijn sagte. "Heute haben viele Artikel reißerische Überschriften und einen schwachen Inhalt - aber bei den Medien gilt die hohe Zahl der Klicks trotzdem als Erfolg, auch wenn die Leser unzufrieden sind", kritisierte er. Mit solchen Daten von Blendle bekämen die Medien ein ehrliches Feedback. Öffentlich sichtbar werden die Informationen über Artikel-Rückgaben aber nicht sein und es werde Einschränkungen geben, wie oft ein Nutzer einen Kauf reklamieren könne.

Blendle-App auf einem Tablet
Blendle-App auf einem Tablet
Foto: Blendle

Die Medien erhalten zudem anonymisierte Informationen über ihre Leserschaft - etwa den Anteil von Männern und Frauen und die Altersgruppen. Personenbezogene Daten sollen in keinem Fall geteilt werden.

In Deutschland sind zum Start auch diverse Regionalzeitungen dabei, etwa die "Hamburger Morgenpost", der "Kölner Stadt-Anzeiger" und die "Rheinische Post". "Wir hatten uns Zeit gelassen, weil wir mit einem möglichst kompletten Angebot in den Markt gehen wollten." Bei den überregionalen Blättern fehlt noch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die Verhandlungen seien aber fast abgeschlossen, sagte Blankesteijn. Nutzer können unter blendle.de zunächst den Zugang zu einem Beta-Test beantragen. Bis Ende Juli sollen alle Interessenten reinkommen.

Zusätzlich zu den direkten Zugängen zu Inhalten einzelner Medien wird bei Blendle auch eine Auswahl besonders populärer Texte angezeigt. Außerdem gibt es Themenbereiche wie Politik und Wirtschaft, in denen die Artikel von Journalisten ausgewählt werden.

Blankesteijn, selbst ein früherer Journalist, zeigt sich überzeugt, dass sein Startup die Abo-Modelle der Medien nicht bedroht: "Es ist eher für die Fälle, in denen ein Leser gern einzelne Artikel kaufen würde, aber sich nicht für das Gesamtpaket interessiert." Bisher fiel es den Medien - auch angesichts der Vielfalt von Gratis-Inhalten im Internet - eher schwer, Print-Artikel online zu verkaufen.

Blendle hat den Medienkonzern Axel Springer und die "New York Times" als Investoren an Bord. Es ist nicht das einzige Angebot dieser Art auf dem deutschen Markt. So startete im Mai der Online-Kiosk Pocketstory, über den ebenfalls einzelne Printtexte aus Zeitschriften, Zeitungen und Büchern gekauft werden können. Die Lesestücke sollen überwiegend zum Preis von 0,39 Euro bis 1,99 Euro angeboten werden. Die Plattform ging zunächst mit Inhalten der Hamburger Verlagsgruppen Zeit und Spiegel an den Start. Auch der Buchverlag Campus ist dabei. (dpa/tc)