Freitagsgerücht

Blackstone ist raus aus dem Kampf um Dell

19.04.2013
Michael Dell scheint wieder bessere Karten zu haben, den von ihm gegründenten PC-Hersteller zu übernehmen.
Michael Dell hat wohl wieder bessere Karten, seine Firma von der Börse zu kaufen und dann radikaler umzubauen.
Michael Dell hat wohl wieder bessere Karten, seine Firma von der Börse zu kaufen und dann radikaler umzubauen.
Foto: Dell

Der Finanzinvestor Blackstone ist laut Insidern und Medienberichten aus dem Bieterwettstreit ausgestiegen. Blackstone nannte als einen Grund die Flaute in der PC-Branche, berichteten die Finanznachrichtenagentur Bloomberg und das "Wall Street Journal" am Freitag. Die Firma habe Zweifel gehabt, dass es eine profitable Investitionen werden würde, schrieb auch die "Financial Times". Offizielle Angaben gab es zunächst nicht.

Damit steigen die Chancen von Firmengründer Michael Dell, den von ihm gegründeten Computerbauer zusammen mit Partnern zu übernehmen und von der Börse zu nehmen. Dell und der Finanzinvestor Silver Lake bieten rund 24,4 Milliarden Dollar (umgerechnet 18,7 Milliarden Euro), die Offerte von Blackstone lag etwas darüber.

Den Informationen zufolge zeigte sich Blackstone in einem Brief an den Sonderausschuss des Dell-Verwaltungsrates besorgt über sinkende Gewinne des Unternehmens und war auch unglücklich darüber, dass ein großer Teil der Geldreserven außerhalb der USA liegt. Kämen diese Mittel in die USA, würden hohe Steuern fällig. Zudem habe Blackstone das Gefühl gehabt, nicht genug Fachwissen im eigenen Haus zu haben: "Wenn man einen Scheck über 1,8 Milliarden Dollar ausstellt, will man die Entscheidung nicht anderen überlassen", sagte ein beteiligter Bankmanager der "Financial Times".

Die Dell-Zentrale in Round Rock, einem Vorort von Austin, Texas
Die Dell-Zentrale in Round Rock, einem Vorort von Austin, Texas
Foto: Dell

Allerdings ist noch der Milliardär Carl Icahn im Rennen, der ebenfalls sein Interesse bekundet hat. Der als unbequem geltende Investor erklärte sich jedoch zuletzt bereit, direkt höchstens zehn Prozent von Dell zu übernehmen. Er könnte aber weiter versuchen, andere Interessenten ins Boot zu holen. Außerdem hatten bereits mehrere Großinvestoren das Übernahmeangebot von Michael Dell als zu niedrig kritisiert.

Dell ist der drittgrößte PC-Bauer der Welt. Gründer Michael Dell hofft, das Unternehmen ohne Druck der Börse radikaler umbauen zu können und fit für die Zukunft zu machen. Der Absatz von Notebooks und Desktop-Rechnern war im vergangenen Quartal den Marktforschern von IDC zufolge um fast 14 Prozent gefallen - so stark wie noch nie seit Beginn der Erhebungen vor fast 20 Jahren. Immer mehr Nutzer greifen lieber zu Smartphones und Tablet-Computern. Dell leidet stark unter diesem Trend und hat bisher kaum etwas bei den neuen mobilen Geräten zu bieten.

Nach der Offerte von Michael Dell musste das Unternehmen auch anderen Interessenten eine Chance geben und Blackstone sowie Icahn nutzten diese Gelegenheit. Blackstone war auf der Suche nach einem Ersatz für Dell an der Konzernspitze, so dass der Firmengründer dann wahrscheinlich die Kontrolle über sein Lebenswerk verloren hätte. (dpa/tc)