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Blackberry strebt Verkauf bis November an

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Der mit Absatzproblemen kämpfende Smartphone-Pionier Blackberry forciert laut einem Zeitungsbericht seine Pläne für den Verkauf der ganzen Firma oder von Konzernteilen.

Vor wenigen Wochen hatte Blackberry angekündigt, man habe ein Komitee aus Mitgliedern des Verwaltungsrats gebildet, das sich mit der Untersuchung "strategischer Alternativen" beschäftigen soll. Wie nun das aus Insiderkreisen informierte "Wall Street Journal" berichtet, hat das Unternehmen bereits erste Gespräche mit Kaufinteressenten geführt. Die Liste potenzieller Kandidaten sei inzwischen konsolidiert worden.

Blackberry-Chef Thorsten Heins
Blackberry-Chef Thorsten Heins
Foto: Blackberry

Trotzdem gilt es keineswegs als sicher, dass es bis November zu einem Abschluss kommt. Gerüchten zufolge arbeiten Investoren in Kanada und den USA an Angeboten, darunter das Canada Pension Plan Investment Board sowie angeblich auch Bain Capital. Darüber hinaus werden Angebote asiatischer Technologiekonzerne erwartet. Hier steht die Lenovo Group offenbar in der ersten Reihe der Bieter.

Lenovo gilt als heißer Kandidat

Dessen Chief Executive Officer (CEO) Yang Yuanqing lehnte kürzlich in einem Interview allerdings jegliche Stellungnahme zu Blackberry ab. Aber er sagte: "Wir glauben, dass PC- und Smartphone-Industrie weiter konsolidieeren werden. Wenn ein Unternehmen zu Lenovos Strategie passen sollte, würden wir die Gelegenheit nutzen."

Unsicher ist derzeit auch, ob Blackberry als Ganzes oder zerlegt in Einzelteile angeboten wird. Bert Nordberg, Mitglied des Sonderkommitees, das nach Optionen für den Konzern suchen soll, sagte kürzlich in einem Interview, Blackberry sei gut beraten, bestimmte Unternehmensteile zu verkaufen. Man könne als "Nischenanbieter" durchaus überleben. welche Teile verkauft werden sollten, führte Nordberg nicht aus. Das Unternehmen nährte in der Vergangenheit allerdings Spekulationen, wonach die Messaging-Services gesondert veräußert werden könnten.

Microsoft fällt nun als Bieter aus

Nachdem Microsoft angekündigt hat, für rund sieben Milliarden Dollar die Handy-Sparte von Nokia zu übernehmen, hat sich die Lage für Blackberry nicht unbedingt verbessert. Nun kommt der Softwareriese aus Redmond als Käufer nicht mehr in Frage - was den Druck auf die Kanadier erhöhen könnte. Microsoft ist jetzt die Nummer drei im Smartphone-Markt, und Blackberry steckt, wie es ein Analyst ausdrückte, im Topf der Verlierer.

Das Unternehmen hat in den USA einmal mehr als 50 Prozent der Marktanteile im damals noch jungen Smartphone-Segment besessen und war für Unternehmen über Jahre hinweg die einzige Alternative, um Mitarbeitern den mobilen E-Mail-Abruf zu ermöglichen. Laut IDC beträgt der Marktanteil in den Staaten heute nur noch drei Prozent.

Seine ganzen Hoffnungen hatte der vom deutschen Manager Thorsten Heins geführte Anbieter zuletzt in zwei neue Geräte gesetzt, die in diesem Jahr eingeführt wurden: das Touch-Modell "Z10" und das mit Tastatur ausgestattete "Q10". Beide Modelle können mit den Konkurrenten von Apple und Samsung funktional mithalten, wie unter anderem auch Tests der COMPUTERWOCHE zeigten.

Trotzdem erfüllte die alles entscheidende Produktoffensive nicht die hohen Erwartungen. Im Smartphone-Markt geht es längst nicht mehr nur um wettbewerbsfähige Endgeräte, sondern vor allem um das App-Ökosystem drum herum. Und hier liegt der Blackberry weit hinter der Konkurrenz zurück.

Angesicht des anlaufenden Bieterverfahrens dürften dei Absatzzahlen in nächster Zeit kaum steigen. "Aus unserer Sicht werden Unternehmenskunden mit weiteren Implementierungen zögern, sagte der National-Bank-Analyst Kris Thompson dem "Wall Street Journal". "Selbst die unverwüstlichen Fans werden erkennen, dass Blackberry zum Verkauf steht und die Zukunft der Plattform alles andere als gesichert ist."

Unklar ist derzeit auch, welche Rolle der größte Aktionär Fairfax Financial Holdings im Bieterverfahren spielen wird. Dessen Chief Executive Officer Prem Watsa hatte sich aus dem Blackberry-Board zurückgezogen, als das Unternehmen die Suche nach "strategischen Alternativen" ankündigte. Er wolle potenzielle Konflikte während dieses Prozesses vermeiden, ließ er mitteilen. Beobachter halten es indes für möglich, dass auch Fairfax ein Angebot für Blackberry abgeben wird. (hv)

Ursprüngliche Meldung:

Blackberry strebe eine rasche Auktion mit Abschluss zum November an, schrieb das "Wall Street Journal" am späten Mittwoch. Es gebe allerdings keine Garantie, dass sich Bieter finden oder dass der Zeitrahmen eingehalten werde, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

Blackberry hatte Anfang des Jahres ein neues Betriebssystem und neue Geräte auf den Markt gebracht. Sie verkauften sich allerdings in den ersten Monaten auf den Markt nicht besonders gut. Im August bildete die kanadische Firma ein Gremium, das Verkaufsoptionen prüfen soll. Blackberry hatte die Anfänge des Smartphone-Marktes stark geprägt, wurde zuletzt aber von erfolgreicheren Rivalen wie Samsung und Apple überrundet. (dpa/tc)