Bericht

Blackberry liefert Nutzerdaten an Behörden in der ganzen Welt

13.06.2016
Blackberry steht seit jeher für sichere Kommunikation, doch an der Auslegung des Unternehmens kamen zuletzt Zweifel auf. Jetzt hat die Recherche eines kanadischen Nachrichtenkanals ergeben, dass Blackberry in Hunderten Fällen Behörden auf der ganzen Welt Nutzerdaten zugespielt hat, um deren Ermittlungen zu unterstützen.
Blackberry-CEO John Chen
Blackberry-CEO John Chen
Foto: Blackberry

Blackberry hilft Behörden dabei, kriminelle Machenschaften von Nutzern aufzudecken. Das ist schon länger bekannt, das Unternehmen sieht sich im Recht. Jetzt hat das kanadische Nachrichtenmagazin CBC weitere Details zum Vorgehen sowie konkrete Fälle aufgedeckt, in denen der Konzern Nutzerdaten an die Polizei ausgehändigt hat. Anonyme Insider beim Smartphone-Hersteller erklären CBC, dass dazu häufig BBM-Nachrichten abgefangen und weitergereicht wurden. Die Anfragen dazu seien von Behörden aus der ganzen Welt gekommen.

Doch wer dachte, Blackberry reiche die Daten lediglich bei akuter Terrorgefahr weiter, der irrt: Das Unternehmen hat dem Bericht zufolge der Polizei auch dabei geholfen, den New-York-Yankees-Spieler Alex Rodriguez des Dopings zu überführen. Auch in einem weitaus heikleren Fall griff Blackberry den Behörden unter die Arme: Blackberry-Daten sollten auch dabei helfen, der suspendierten brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff Korruption nachzuweisen. Nach CBC-Recherche hat Blackberry internationalen Behörden in Hunderten solcher Ermittlungen geholfen. Der zitierte Insider ist dabei sichtlich stolz auf die Arbeit: "Drogenschmuggel, Menschenhandel, Geldwäsche, Entführungen, Gewalttaten gegen Kinder - zu wissen, dass wir diese Dinge stoppen ... Wie kann man so etwas nicht lieben?"

Blackberry umgeht kanadisches Gesetz

In Spitzenzeiten sollen bis zu 15 Mitarbeiter im "Public Safety Operations"-Team bei Blackberry abbestellt worden sein. Um den Auswahlprozess zu beschleunigen, sollen Anwälte und andere Justizbeamte die vielen behördlichen Anfragen prüfen, bevor sie dann an Datenspezialisten weitergegeben werden. In einem vorgefertigten Formular können die Behörden angeben, welche Daten sie genau von Blackberry einfordern, ob nur Informationen zum Gerät und des Inhabers (IMEI, Adresse, Zahlunsgdaten), Nachrichtentranskripte und Auszüge aus dem Adressbuch oder "andere". Letztere Kategorie soll laut CBC-Quellen dazu genutzt werden können, die Kommunikation eines Nutzers abzufangen und zu entschlüsseln.

Die Hürden für ausländische Behörden sind dabei offenbar gering. Ihrer Anfrage müssen sie laut Bericht lediglich eine Erklärung beifügen, mit der sie bestätigen, dass diese auch in ihrem eigenen Land legal sei und die gewonnenen Daten der Aufklärung, nicht der Unterdrückung oder Kontrollausübung dienen. Kritiker bemängeln, dass durch die Direktanfrage bei Blackberry die "Mutual Legal Assistance Treaty" - ein Gesetz, das der kanadischen Polizei die Prüfung ausländischer Behörden überlässt - ausgehebelt werde. Blackberry entscheide, wem geholfen wird und wem nicht.

Blackberry selbst sieht kein Problem darin, die Nutzerdaten weiterzureichen. Im Gegenteil: Andere Technikunternehmen, so Blackberry in einem Statement gegenüber CBC, sollten sich ein Beispiel nehmen und sich ebenso vorbildlich verhalten und den Anfragen der Behörden in plausiblen Fällen Folge leisten. Den Bericht und die darin geschilderten Informationen will Blackberry aber nicht kommentieren.

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Dean Laxer Schuch

Das ist doch Blödsinn... Jeder hersteller muss mit Behörden kooperieren! BlackBerry hat einen kleinen Marktanteil und die Medien hauen gern auf dem leider klein gewordenen Konzern drauf. Stellt euch nur mal vor was bei den anderen riesen Firmen los ist. Ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass die andere Möglichkeiten haben, oder? Denkt doch mal nach in was für einer Welt wir hier leben

Eisberg

Niemand greift in deine Privatsphäre ein, das hast du bereits mit dem Kauf getan. DIe Datenschutzrichtlinien bei Blackberry weisen seit mindestens 2 Jahren auf exakt diese Zusammenarbeit mit Behörden hin:
[...]Wenn Sie ein Angebot von BlackBerry benutzen, mit BlackBerry
korrespondieren, an einem durch BlackBerry gesponserten Wettbewerb
teilnehmen oder anderweitig mit BlackBerry interagieren, kann BlackBerry
Ihre persönlichen Angaben zu den nachstehenden Zwecken verarbeiten: [...] um die rechtlichen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen einzuhalten und um auf Notfallsituationen antworten zu können z. B. um auf Gerichtsbeschlüsse, Haftbefehle oder sonstige rechtmäßige Anforderungen oder rechtliche Verfahren zu antworten [...]"

Nahezu das Selbe findet sich auch bei Android auf der Google-Website in deren Datenschutzrichtlinien:
"[...] Wir werden personenbezogene Daten an Unternehmen, Organisationen oder
Personen außerhalb von Google weitergeben, wenn wir nach Treu und
Glauben davon ausgehen dürfen, dass der Zugriff auf diese Daten oder
ihre Nutzung, Aufbewahrung oder Weitergabe vernünftigerweise notwendig
ist, um anwendbare Gesetze, Regelungen, oder anwendbares Verfahrensrecht
einzuhalten oder einer vollstreckbaren behördlichen Anordnung
nachzukommen.[...]"

Man beachte dabei den Zusatz "Unternehmen".

Was hier "aufgedeckt" wurde, ist ein uralter Hut. Blackberry unterstützt Behörden seit Jahren, darüber gab es in der Vergangenheit schon genügend Artikel, über die sich niemand aufgeregt hat. Letztendlich gibt es keinen Smartphoneanbieter, der es anders macht, ALLE Hersteller haben derartige "Klauseln" ind en Datenschutzrichtlinien.

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Wer will meinen BlackBerry PRIV ! Muss kotzen wenn ich das lese. Ich habe nix zu verheimlichen trotzdem hasse ich es wenn jemand in meine Privatsphäre eingreift!

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