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BitTorrent: Vom Linux-Tausch zur Copyright-Verletzung

13.02.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Über zehn Millionen mal wurde der Client der P2P-Software (Peer-to-Peer) "BitTorrent" aus dem Netz geladen. Damit reiht sich die Online-Tauschbörse in die Riege von Napster, Kazaa und Grokster ein. Anwender nutzen sie hauptsächlich zum Tausch von kompletten Kinofilmen - ohne Rücksicht auf bestehende Urheberrechte. Auch der gestern im Internet aufgetauchte Quellcode von Windows wurde über die Tauschbörse verbreitet (Computerwoche.de berichtete).

Bei ihrem Start Anfang 2003 diente BitTorrent einem anderen Zweck - der legalen Verteilung des quelloffenen Betriebssystems Linux. Kurz darauf entdeckten Fans japanischer "Anime"-Comics die Tauschbörse für sich.

Im Gegensatz zu P2P-Clients wie Kazaa ist BitTorrent Open-Source-Software. Auch in technischer Hinsicht bestehen Unterschiede. So ist die Anwendung besonders für den Tausch großer Dateien geeignet. Das bei Kazaa und Co bestehende Bandbreitenproblem hat Initiator Bram Cohen durch einen einfachen Trick gelöst. Nur wer einen schnellen Upload zur Verfügung stellt, bekommt auch beim Download eine schnelle Verbindung. Kazaa-Nutzer schränken dagegen oft die Zahl der maximal möglichen Zugriffe auf den eigenen Rechner ein, um die Bandbreite für ihre Downloads möglichst nicht zu beeinträchtigen. Dadurch konzentrieren sich viele Anfragen auf relativ wenige Datenquellen und die Downloads werden zum Teil quälend langsam.

Im Mai 2003 war BitTorrent für zehn Prozent des Datenverkehrs im "Abilene"-Backbone des Netz-Konsortiums "Infrastructure for Internet" verantwortlich, an das rund 200 amerikanische Universitäten und Forschungseinrichtungen angebunden sind. Laut Konsortiums-Chef Steven Cohen haben andere Tauschbörsen nie mehr als ein Prozent des Datenvolumens verursacht.

BitTorrent-Erfinder Cohen arbeitet mittlerweile bei Valve. Bei dem Produzenten der populären Computerspiele "Halflife" und "Counterstrike" entwickelt er "Steam". Mit Hilfe des Distributed File System lassen sich die Spiele vernetzen. Dadurch können Spieler Teams bilden, via Instant Messaging miteinander kommunizieren und Updates beziehen. (lex)