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Dezentralisierung

BitTorrent testet neuartigen Browser "Maelstrom"

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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BitTorrent ist nicht nur ein überaus effizientes Filesharing-Protokoll, sondern auch eine Firma mit interessanten Ideen.

BitTorrent schwebt letztlich ein "verteiltes" Internet vor, bei dem die Nutzer mehr Kontrolle über ihre Daten und persönlichen Informationen haben. Dieses Ideal war die Grundlage des ursprünglichen Peer-to-Peer-Netzprotokolls, das vor allem durch Piraterie "berühmt" wurde, und ist auch die Basis der Dropbox-Alternative "BitTorrent Sync".

BitTorrent Maelstrom basiert auf Chromium, kann aber Torrents auslesen.
BitTorrent Maelstrom basiert auf Chromium, kann aber Torrents auslesen.
Foto: BitTorrent

Mit dem experimentellen Browser "Maelstrom" versucht BitTorrent die Dezentralität nun auf das ganze Netz anzuwenden, wie der Branchendienst "The Verge" berichtet. Maelstrom verwendet das BitTorrent-Protokoll und startet heute als Closed Alpha für handverlesene Tester. "Verteilte Technologie kann Nutzern mehr Macht geben, tut das auch", wird BitTorrent-CEO Eric Klinker zitiert. "und kann damit einige aus unserer Sicht ziemlich großen Probleme lösen, vor denen das Netz steht: Datenschutz, Offenheit, Effizienz."

Geht es nach Klinker und BitTorrent, dann verbinden sich Nutzer im Netz nicht länger mit einem Server, um eine Webseite anzugucken oder Inhalte abzurufen. Web-Publisher könnten ihren Content stattdessen vollständig über das BitTorrent-Protokoll bereitstellen, verteilen und aktualisieren - andere, die die Seite besuchen würden dann automatisch dabei helfen, die Inhalte zu teilen, so wie auch beim Filesharing via BitTorrent jeder Downloader gleichzeitig auch wieder hochlädt.

"Was würde das bringen?", fragt Klinker eher rhetorisch. "Es gäbe weniger zentralisierte Server, die zwischen Ihnen und Ihren Daten und den Inhalten stehen könnten, für die Sie sich interessieren. - und auf jeden Fall auch weniger Barrieren für Sie, wenn Sie Content publizieren wollen." Laut Project Lead Rob Velasquez ist das Bereitstellen einer BitTorrent-gehosteten Seite eher ein Kinderspiel. Statt Musik oder Filme zu verteilen, enthält der Torrent schlicht alle HTML-Dateien, die zum Rendern der Seite benötigt werden. "Wir haben BitTorrent lange als Client betrachtet, der Dateien herunterlädt", sagt der Entwickler. "Wir haben diese Vorstellung genommen und gesagt ‚Was, wenn das keine Dateien wären? Was, wenn wir HTML in einen Torrent tun und der Browser das einfach anzeigt?‘"

An dieser Stelle kommt dann der Maelstrom-Browser ins Spiel - im Wesentlichen ist das ein Build von Googles quelloffenem Chromium-Browser, der auch den Inhalte eines BitTorrent-Packages auslesen kann. Allerdings gibt es praktisch noch keine so bereitgestellten Webseiten, weswegen das Ganze zunächst als geschlossene Alpha für Enthusiasten startet, die sich die Seiten auch gleich selbst hosten können. Auch sonst sind noch eine Menge Fragen offen - beispielsweise haben als Torrent gehostetete Webseiten bis dato keine einfach les- und merkbare Adresse, sondern werden über einen Mischmasch aus Zahlen und Buchstaben identifiziert. "Dafür bräuchten wir letztlich ein Übersetzungsverfahren ähnlich DNS", räumt CEO Klinker ein. Erst einmal entwickelt BitTorrent aber einen Satz Entwicklerwerkzeuge, die zum Start einer Beta irgendwann im kommenden Jahr als eine Art SDK erscheinen sollen.